30. Januar 2018

Abkehr vom Wachstumszwang

Wenn die Biene stirbt, stirbt auch der Mensch. Das wusste schon Einstein. Wissenschaftliche Erkenntnisse scheinen die Lobbyisten und ihre neoliberalen Erfüllungspolitiker herzlich wenig zu interessieren. Naturschutzorganisationen sehen vor allem in der extensiven Landwirtschaft den Hauptgrund für das massive Insektensterben. Sicher wäre es falsch, alle konventionellen Landwirte über einen Kamm zu scheren. Aber, ohne echtes Umdenken wird es nicht nur keine Bienen, sondern auch keine Vögel mehr geben. 
In China, wo Böden über Jahre massiv verseucht wurden, gibt es vielerorts schon keine mehr. Lohnsklaven müssen mit umgebauten Staubwedeln von Hand Blüten besträuben. Ein Szenario, das auch in Thüringen, wenn weiter auf Monokulturen und kurzfristigen Profit gesetzt wird, drohen kann. 
Das Insektensterben und der Verlust der Artenvielfalt ist nicht das einzige Problem. Die zunehmende Nitratbelas-tung des Grundwassers und die von über Leichen gehenden Konzernen wie Bayer-Monsanto aufgezwungene Gentechnik werden ein immer größeres Problem. 
Ein Zeichen für eine Agrarwende setzten am 20. Januar über 30.000 Menschen bei der Demo „Wir haben es satt“ in Berlin. Neben einem breiten Bündnis aus Organisationen hatten auch Politiker der Partei DIE LINKE dazu aufgerufen,  
„Eine regionale, umweltverträgliche und soziale Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft ist wichtiger denn je“, sagte Dr. Johanna Scheringer-Wright, Sprecherin für Landwirtschaftspolitik der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, die sich an der Demo beteiligte. 
Die Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland und der EU gehe unvermindert weiter in die falsche Richtung. „Anstatt auf gesunde Nahrung für alle, Vielfalt, Umweltverträglichkeit und Sicherung der Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu setzen, werden die Konzentration und das Wachstum in der Branche vorangetrieben“, unterstrich Scheringer-Wright. Gerade die lokalen Erzeuger oder die regional verankerten Agrargenossenschaften, können dem Preisdruck des Weltmarktes nicht standhalten.
Die landwirtschaftliche Produktion sollte viel stärker ökologisch und regional aufgestellt werden: „Zudem müssen in den industrialisierten Ländern die Düngung und der chemische Pflanzenschutz reduziert werden. Dass hierbei kein Verlass auf die alte und neue GroKo ist, hat die jüngste Ver-längerung der Glyphosat-Zulassung schmerzlich bewiesen“, bedauerte Scheringer-Wright.  „Wir müssen hin zu nachhaltigen Erträgen, die die Ernährung sichern, aber gleichzeitig das Klima und die Umwelt schützen. Dies ist nur möglich, wenn es eine Abkehr von der Exportorientierung der Land- und Ernährungswirtschaft und vom kapitalistischen Wachstumszwang gibt“, so die Abgeordnete. 
Allein auf die Politik zu warten ist keine gute Idee. Die Agrarwende kann jeder Mensch selbst mitgestalten. Bauen sie selbst Bio-Gemüse, achten sie auf gesunde Ernährung, klären sie Familie und Freunde auf und unterstützen sie lokale Projekte. Die gibt es auch in Thüringen. So beispielsweise in Erfurt die 2013 gegründete Genossenschaft Landmarkt. Lesen Sie mehr dazu im Interview mit Anett Kulka-Panek.                                        

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