3. November 2015

Kampf um Hegemonie auf der Straße

Braune und bunte Blätter

 

Der Herbst ist angebrochen. So wie sich die Blätter langsam braun färben, so färben sich beinahe täglich die Straßen und Plätze Thüringens. Doch die Auftritte von Höcke, Pirincci und Co. haben nicht nur braune, sondern ebenso eine wachsende Zahl der buntesten Blätter auf die Straßen geweht. Für viele Menschen ist Willkommenskultur keine hohle Floskel, sondern eine Aufforderung aktiv zu werden. Eine beispiellose Welle der Solidarität und der Hilfsbereitschaft bei der Integration von Flüchtlingen steht einer lauten, aber dennoch kleinen Minderheit gegenüber. Ob Pegidia oder AfD, es soll versucht werden, die Meinungshoheit im öffentlichen Raum von der Uni bis zum Stammtisch an sich zu reißen. Reißerische Panikmache, völkische Deutschtümelei, Parolen, die nicht selten an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnern – der Zweck heiligt die Mittel. Die politische und gesellschaftliche Rechte von NPD bis AfD hat ihren Kampf um Bilder begonnen. 

 

Die Schwarzen müssen sich entscheiden 

 

So ähnlich dachten wohl  einige dutzend Menschen, die mehr als nur bunte Blätter im Wind sind. Über moderne Kommunikationsmedien wurde vor einer großen von der AfD angemeldeten Demo auf dem Domplatz aufgerufen, sich mit bunter Kreide „zu bewaffnen“, um Höcke nach seinem Tugend-der-Boshaften-Auftritt bei Günther Jauch Willkommen zu heißen. Flashmob nennt sich neudeutsch diese Form des Widerstands. Das wird natürlich erst Mal kein Problem lösen oder den Flüchtlingen direkt helfen. Doch bei allen schwierigen anstehenden Aufgaben, nicht nur bei der Integration der Flüchtlinge und der gleichzeitigen braunen Flut auf den Straßen, wird eines deutlich: Die viel zitierte schweigende Mehrheit ist bunt und nicht dunkelblau-braun. Die Schwarzen werden sich entscheiden müssen, wo sie stehen! Ihre Kanzlerin hat in seltener Kompetenz die Richtlinie vorgegeben: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“      

 

Der Kampf um die Bilder: am 9.11. auf die Straße für Mitmenschlichkeit in Thüringen

 

th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/9/artikel/kampf-um-hegemonie-auf-der-strasse/