26. Januar 2016

Seht die Signale

Erfurt – Jena – Erfurt. So lautete der Fahrplan des braunen Wanderzirkurs im Januar. Es waren aber mit 2.000 deutlich weniger als bisher, die am 13. Januar gegen Asylrecht und Willkommenskultur auf die Straße gingen. Die über 500 Menschen, die für Menschlichkeit demonstrierten, sind nicht nur dem Hass der angeblich besorgten Bürger ausgesetzt, sondern auch immer mehr Zielscheibe von tätlichen Angriffen brutaler Neonazis. Diese zunehmende Gewalt von Rechts wird dabei offenbar mit größer werdender Kreativität beantwortet. So hatte im Vorfeld des 13. Januars eine Plakat-Aktion für Aufsehen gesorgt. An den Haltestellen Dom und Anger wurden Werbeflächen überklebt. Björn Höcke als „Rattenfänger von Hameln“, dem vor Hass und Rassismus Blinde folgen, „Menschenrechte statt rechte Menschen“ oder „Wer kein Selbstbewusstsein hat braucht ein Nationalbewusstsein“ und weitere Botschaften waren zu lesen. Natürlich war das keine legale Aktion und schon Nachmittags waren alle Plakate wieder entfernt, aber über die sozialen Medien verbreitete sich die Aktion in Windeseile. Dass die AfD, die gerne auf die Meinungsfreiheit pocht, wenn es darum geht ihre Hetze zu verbreiten, keinen Spaß versteht und Anzeige wegen Beleidigung erstattet, ist symptomatisch für deren schamlose Tartüfferie. Im als weltoffen bekannten Jena scheint diese Erkenntnis längst angekommen zu sein. So waren es weit über 2.500 Menschen, die am 20. Januar die AfD auf dem Marktplatz regelrecht einkesselten und so einen Marsch durch das „Paradies“ verhinderten. Jetzt darf gehofft werden, dass die Signale auch in Erfurt gehört werden. Der für den 27. Januar angemeldete Aufmarsch musste zwar abgesagt werden, aber am 24. Februar wollen Höcke und Co. in die nächste Runde gehen. Kreativität tut da nicht nur beim Widerstand gegen hasserfüllte Hetze not. Für die Integration und eine Friedenslösung in Nahost gilt das Gleiche. Mit Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl lassen sich Probleme nicht lösen.

th