12. Januar 2016

Träumen von einer Welt ohne Krieg

„Die politische Aussage ist, dass Krieg Scheiße ist – egal in welchem Land“, sagt der „Farbklexperte“ Frank Krause über sein Bild „David gegen Goliath“.

Das neue Jahr beginnt wie das Alte aufgehört hat: mit Krieg. Ob in der Ukraine, in Syrien oder dem Jemen, es geht immer um Macht und Geostrategie. Ethnische oder religiöse Gründe werden bewusst benutzt, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Dort Sunniten gegen Schiiten, hier Flüchtlinge gegen Einheimische. Alltag im Klassenkrieg. 

 

Nicht erst seit dem Terror von Paris ist der Krieg mit der Wucht der Asymmetrie in Europa,  wo er vor Jahrhunderten seinen Ausgang nahm, angekommen. Mehr als eine Million Flüchtlinge, die allein 2015 nach Deutschland fliehen mussten, sind das am deutlichsten sichtbare Zeichen. Die Lage ist ernst, aber ein Grund in weinerlichen, typisch deutschen Defätismus zu verfallen, ist das noch lange nicht. Es gibt viele Menschen, die sich für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft einsetzen und von einer Welt ohne Krieg träumen. Und es ist nicht auszuschließen, dass es bald noch mehr werden. So ein Mensch ist der Erfurter Maler Frank Krause. Sein Bild „David gegen Goliath“ war kurze Zeit Prunkstück in einer Erfurter Kneipe, wo es schnell das Interesse eines Käufers fand, der sich beim abendlichen Kaltgetränk in das Kunstwerk „verliebt“ hatte. Ob der Käufer nur ein  Kunstsammler oder vielleicht ein Friedensaktivist war, ist nicht bekannt. 

 

Der 34-jährige Maler versteht das Bild jedenfalls durchaus politisch. Nicht im Sinne von links oder rechts, aber mit einer klaren Message. „Die politische Aussage ist, dass Krieg Scheiße ist – egal in welchen Land!“ Die Idee dahinter:  „Bilder mit negativer Aussage werden oft ignoriert. Deswegen das Motiv mit dem Kind, damit die Leute darüber nachdenken können und nicht gleich wegschauen“, erklärt Frank Krause. Nach der Geburt seines Kindes hat er sich gefragt: „Welche Welt biete ich meiner Tochter?“ 

 

Zehn Jahre hat der aus Erfurt stammende Krause als Künstler in Wuppertal gearbeitet und ein klares Ost-West-Gefälle beobachtet. Im Westen sitzt das Geld und im Osten kommen Künstler kaum ohne Nebenjob über die Runden. Das ist wohl auch der Grund, warum viele „sich wegen der Kohle prostituieren“, wie es der „Farbklexperte“ auf den Punkt bringt. Die Mainstream-Medien interessieren selten junge Künstler, genau so wenig wie die oft bourgeoisen Galerien und die akademischen Kunstexperten, die bestimmen, was Kunst ist und wie viel Geld sie wert ist. „Viele wollen leider den Einheitsbrei“, schätzt auch Frank Krause ein. Wer aber mit offenen Augen durch Erfurt geht, wird so manch legales und illegales Werk entdecken, das nicht nur künstlerisch wertvoll ist, sondern auch eine Aussage transportiert. Kunst darf, kann und soll zum Nachdenken anregen und so mithelfen, die Welt zu verändern, zu verbessern.  „Multi-Kulti ist gut und beflügelt mich auch“, bekennt Frank Krause, der aus dem Wuppertaler Alltag genau weiß, dass die verschiedenen Mitmenschen ausländischer Herkunft für eine Gesellschaft ein außerordentlicher Gewinn sein können.  Für Erfurt sind sowieso alle, die sich für eine Welt ohne Krieg einsetzen, ein Gewinn. Ob Künstler, ehrenamtlicher Helfer oder politischer Aktivst für Menschlichkeit, sie alle vereint der Traum von einer Welt ohne Krieg. Und sie stehen gemeinsam für das helle, das bunte und weltoffene Erfurt. Sie sind die hell leuchtende Alternative zum braunen Dunkeldeutschland und zum neoliberalen Einheitsbrei.  

Wer mehr Kunst von Frank Krause sehen möchte, findet sein Atelier am Karl-Marx-Platz 3 in Erfurt oder im Internet unter farbklexperten.de.  

 

Thomas Holzmann

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/8/artikel/traeumen-von-einer-welt-ohne-krieg/