26. Januar 2016

Friedensgespräche statt „Kampf der Kulturen“

Etwa 30 Flüchtlinge versammelten sich am 23. Januar in Erfurt und verteilten Rosen an Passanten, verbunden mit einem großen Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer sowie einer klaren Absage an Gewalt. Foto: Uwe Pohlitz

Die Schreihälse, die sich wöchentlich als „das Volk“ auf den Straßen inszenieren, nutzen die irrationalen Ängste, die immer mehr Menschen haben, für ihre Zwecke aus. Sie schreien Lügenpresse und vergessen, dass viele ihrer Ängste aus der „Bild“ oder dem „Spiegel“ stammen. Seit mehr als 15 Jahren wird bei jeder Gelegenheit die Gefahr durch den Islam heraufbeschworen. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes 1990 wurde ein neues Feindbild gesucht und gefunden. Terrorismus und Flüchtlinge sind bestens geeignet, um von den eigentlichen Problemen: Kriege und Waffenhandel, Steuer-Milliarden für Banken und Konzerne, TTIP und last but not least die bevorstehende Klimakatastrophe abzulenken. Der Nahe und Mittlere Osten weite Teile Afrikas, wo ein nicht enden wollender Krieg tobt, ist einer der gewinnträchtigsten Märkte für Waffen – auch aus deutscher Produktion. Was wir dort erleben ist nicht nur die Manifestation einer neuen Kriegsform, sondern der Beginn einer Auseinandersetzung, die rechte Theoretiker wie Samuel Huntington schon in den neunziger Jahren als „Kampf der Kulturen“ vorgezeichnet haben. Das Kampfgebiet wäre der Nahe und Mittlere Osten. In der regional- und geopolitischen Großwetterlage ist noch nicht ganz klar wer mit wem und gegen was kämpfen wird. Aber, dass der Krieg, der jetzt schon große Teil dieser Re- gion überzieht, noch weiter eskalieren wird ist sehr wahrscheinlich. Insbesondere dann, wenn die Rassisten, Rattenfänger und Schreihälse die Oberhand gewinnen und Regime wie in Saudi-Arabien oder der Türkei weiter mit Waffen und Geld unterstützt werden. Die Lage ist dramatisch, aber das Fenster für eine globale Lösung steht offen. Durch die Einigung mit dem Iran, samt Aufhebung der Sanktionen sogar einen Spalt weiter. Wenn der Westen, Russland, der Iran und Saudi-Arabien an einen Tisch kommen würden, könnte sich auch für Syrien eine Friedenslösung ergeben. Das ist derzeit nicht in Sicht, wäre aber eine Chance, die Flüchtlingsströme zu beenden oder deutlich zu reduzieren. Die Menschen, die vor Krieg fliehen, werden sich weder durch eine Höchstgrenze noch durch eine Mauer aufhalten lassen. Was passiert, wenn eine Höchstgrenze eingeführt würde und nach deren Erreichen trotzdem Hunderttausende kommen, wagt sich kein Seehofer, Höcke oder Bachmann auszusprechen. Wird dann auf Flüchtlinge, die über den Stacheldraht klettern, geschossen? Oder vielleicht bezahlt man Hitlerfan Erdogan für die Errichtung von Lagern in der Türkei mit Geld, Waffen und freier Hand, um die aufständischen Kurden noch weiter nieder zu metzeln? Mit Merkel dürfte das gegenwärtig so nicht zu machen sein. Ob das so bleibt, wenn am 13. März die AfD bei drei Landtagswahlen den Parlamentarismus gewaltig durcheinander wirbelt und Regieren unmöglich macht, bleibt abzuwarten. Wie es auch kommt, eines ist sicher: Je mehr Menschen sich für Flüchtlinge einsetzen und sich vom braunen Mob nicht einschüchtern lassen, sondern sich entgegenstellen, desto wahrscheinlicher wird eine konstruktive und friedlich Lösung gefunden. Das gilt sowohl für die Integration von Flüchtlingen hier vor Ort, als auch für eine Friedenslösungen in Nahost. Wer den Schreihälsen und Rattenfängen hinterher läuft, hilft ihnen dabei den 3. Weltkrieg auszulösen, auf den sie offenbar mit der vollen Inbrunst des Hasses und Dummheit hinarbeiten.

th

 


Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/8/artikel/friedensgespraeche-statt-kampf-der-kulturen/