5. April 2016

Wir lieben den Frieden und hassen den Terror

 

Kommt es in Europa zu einem Terroranschlag folgt stets die gleiche Leier: Bestürzung, Trauer und Wut mischen sich mit dem Politikersingsang von verschärften Sicherheitsmaßnahmen, mehr Überwachung und stärkerer Kooperation von Geheimdiensten. Der Endpunkt der gebetsmühlenartig wiederkehrenden Floskeln ist die Aussage: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. 


Zu gewinnen ist der „Krieg gegen den Terror“ ohnehin nicht, mit repressiven Maßnahmen schon gar nicht. Schon nach  dem 11. September 2001 wurden die Überwachung und die Kooperation der Geheimdienste ausgeweitet – angeblich. Brüssel und auch die letzten Anschläge in der Türkei haben verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit von Geheimdiensten zur Terrorabwehr offenbar eine reine Illusion ist. Wer nach Terroranschlägen automatisch nach mehr Überwachung und Militäreinsätzen im In- und Ausland krakeelt, bekämpft den Terrorismus nicht, sondern erlaubt vielmehr, dass er funktionieren kann. Sich einschüchtern zu lassen und die Werte einer liberalen, offenen und aufgeklärten Gesellschaft auf dem Altar einer Sicherheit, die pures Wunschdenken ist, zu opfern, ist genau das, was die Terroristen wollen. 
Sich über die Ursachen für den Terrorismus, die teilweise Jahrzehnte zurückreichen, Gedanken zu machen  ist schwer. Viel einfacher ist es Angst, Hass und Wut bei jenen Menschen abzuladen, die sich nicht wehren können: den Flüchtlingen. Dabei sind sie es, die vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat fliehen mussten. Endlich in vermeintlicher Sicherheit, droht ihnen schon wieder Terror – durch „besorgte Bürger“, die ihre Unterkünfte wahlweise anzünden oder unter Wasser setzen. Obendrauf wird ihnen der Vorwurf gemacht, dass alle Flüchtlinge, alle Moslems, Terroristen seien. Flüchtlinge sind gleich dreifache Opfer: vom Krieg in ihrer Heimat, vor rechter Gewalt und vor infamen Verleumdungen im angeblich so aufgeklärten und toleranten Westen. 


Immer mehr Flüchtlinge lassen sich davon aber nicht einschüchtern und setzen auch öffentlich ein klares Zeichen für Frieden und gegen Gewalt. Bereits im Februar hatten mehrere Dutzend in Erfurt ein ganz großes Dankeschön an die Bürgerinnen und Bürger gesendet.  
                                                       

Am 24. März kamen etwa 50 Flüchtlinge in Gera zu einer Kundgebung in Gedenken an die Opfer der Terroranschläge von Brüssel zusammen. Ob Syrien, Irak oder Afghanistan, unterschiedlich war die Herkunft dieser Menschen, aber gemeinsam ihre Botschaft: Wir lieben den Frieden und hassen den Terror – genau wie Ihr!

 

th