17. Mai 2016

8. Mai Tag der Befreiung, was sonst?!

Montage: Wilko Meyer

Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung vom Faschismus, ohne wenn und aber. Eigentlich sollte das allen klar sein. Sogar Bundespräsident von Weizsäcker hatte 1985 das als erster Konservativer richtig eingeordnet. Neonazis, Ewiggestrige und angeblich besorgte Bürger sehen das freilich ganz anders. Neuerlicher Gipfel dieses Irrsinns ist der Versuch, die AfD in die Tradition antifaschistischer Widerstandskämpfer wie der Geschwister Scholl zu rücken.    

Dem Gedenktag 8. Mai wollte die AfD im Landtag aber nicht zu stimmen und verbrachte den Tag wohl auf der Datsche. Und auch ein für Erfurt angemeldeter Neonazi-Trauermarsch wurde gerichtlich verboten. Die Rechten verzichteten auf den Gang durch weitere Instanzen. Es wäre ein auch denkbar schlechtes Signal gewesen, wenn ausgerechnet in diesem Jahr Nazis marschiert wären, wo doch der Tag der Befreiung von der rot-rot-grünen Landesregierung als Punkt 1 in das Thüringer Feier- und Gedenktagsgesetz gebracht wurde.   

„Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus und von der NS-Herrschaft. Der Sieg der vier Alliierten an diesem Tag über die deutsche Wehrmacht und das nationalsozialistische Deutschland bedeutete auch das Ende des schlimmsten Menschenverbrechens, welches die Geschichte bis dahin erlebt hat. Dieser Tag ist damit für uns nicht nur der Tag, an dem wir der Opfer des Zweiten Weltkrieges in Europa mit seinen fast 50 Millionen Toten gedenken. Dieser Tag, den der Thüringer Landtag zu Recht im vorigen Jahr zu einem gesetzlichen Gedenktag erklärt hat, erinnert uns an unsere Pflicht, zu mahnen und wachsam gegenüber neuem Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu bleiben. Dies gilt erst recht angesichts aktueller rechter Strömungen“, erklärte Susanne Hennig-Wellsow. 

Wie zutreffend das ist, belegen nicht nur die unzähligen Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, die widerwärtige rassistische Hetzte im Netz, sondern auch das Neonazikonzert in Hildburghausen. Mit über 3.000 Teilnehmern, war es das größte seit 2009, das aber den „braune Musiksommer“ erst einleitet 

Umso wichtiger ist es, rechten Tendenzen etwas entgegen zu setzen. Das wurde, wie immer, auf Friedhöfen oder an Denkmälern wie dem für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur auf dem Erfurter Petersberg getan.  

 

In anderen Bundesländern schaut man etwas neidisch auf Thüringen. Das Gesetz alleine ändert jedoch nichts. Gedenken findet statt, weil sich Menschen engagieren.  Aktionen überwiegend junger antifaschistischer Kräfte suchte man, anders als bei „Nachttanzdemos“ und „Befreier*innenpartys“ vergangener Jahre, vergeblich. Angesicht nach wie vor massiver staatlicher Repression gegenüber Antifaschisten braucht es deshalb auch endlich eine antifaschistische Klausel im Grundgesetz.                                      

th