17. Mai 2016

Erfurt den Titel „Stadt des Friedens“ aberkennen

Linksjugend-Persiflage auf die derzeitige Bundeswehr-Werbekampagne.

Während die Soldat*innen in anderen Bundesländern in ihren Kasernen den „Tag der Bundeswehr“ feiern, wird auf Einladung des Oberbürgermeisters in Erfurt ein öffentliches Happening daraus gemacht. „Dass eine solche Veranstaltung ausschließlich dem Zweck der Werbung von neuen Rekrut*innen dient und damit der wahre Charakter von Krieg und Militär verschleiert werden soll, liegt auf der Hand“, stellt Georg Buder, Landessprecher der Linksjugend ['solid] Thüringen fest. Er begründet: „Welchen Zweck hätte sonst ein solches Event, bei dem Bürgerinnen und Bürger der Stadt eingeladen werden und die technischen Ausrüstungen der Armee begaffen können?“

Seit längerem klagt die Bundeswehr über zu wenig freiwilligen Nachwuchs. Zudem wurden Aufstockungspläne von Verteidigungsministerin von der Leyen veröffentlicht, welche weiteres Personal benötigen.

 

Kriegsgerät auf dem Domplatz


Valentine Franck weiter: „Wir von der Linksjugend ['solid] Thüringen fragen uns, wo Erfurt dem Titel als ‘Stadt des Friedens: gerecht wird?“

Sogar mit Wohlwollen begrüßt Andreas Bausewein das Agieren der Bundeswehr in Erfurt. Nun wird sie auf Einladung des OB im Panorama des Doms auftreten und um dies umzusetzen werden keine Mühen gescheut. Auf der Homepage der Bundeswehr wird die gute Zusammenarbeit mit der Erfurter Stadtverwaltung gelobt, welche Himmel und Hölle in Bewegung setzt, das schwere Kriegsgerät auf dem Domplatz zu drapieren und anderen Wünschen nachzukommen. Ganz anders war das Verhalten der Behörden bei einem politischen Kunstprojekt des Berliner Künstlers Hans Ferenz. Hierbei sollte für wenige Tage ein Container mit der Ausstellung „Flüchten und Ankommen“ auf dem Anger installiert werden. Doch stieß man in der Erfurter Stadtverwaltung nur auf Widerstand.

Wir fordern Oberbürgermeister Andreas Bausewein auf, dem Titel „Stadt des Friedens“ gerecht zu werden und der Bundeswehr keinen Raum für Kriegslogik, die nur Freund oder Feind kennt, zuzulassen oder den Titel „Stadt des Friedens“ konsequent und ehrlich abzugeben. Besonders im Kontext der tausenden Geflüchteten, die täglich aus den Kriegsgebieten fliehen, sollte auch eine Stadt wie Erfurt seiner Verantwortung gerecht werden und etwas gegen die Kriegsursachen tun, anstatt denjenigen eine Plattform zu geben, welche im   Kriegstreiben ordentlich mitmischen.

 

Plakatwerbung der Bundeswehr in fast jeder Straßenbahn

 

Doch nicht nur am 11. Juni wird sich die Stadt in Tarnfarben hüllen. Schon lange ist die Bundeswehr in Erfurt allgegenwärtig. „Es gibt kein Stadtgebiet, in dem nicht die großflächige Plakatwerbung der Bundeswehr zu finden ist, in fast jeder Straßenbahn- und Bushaltestelle der EVAG wirbt ein Plakat für den Dienst an der Waffe, ein Straßenbahnwaggon mit Bundeswehrwerbung rollt seit ca. einem Jahr durch die Stadt“, empört sich Linkjugend-Landessprecherin Valentine Franck. Auch weiterhin besuchen sogenannte Jugendoffiziere Erfurter Schulen und stellen ihre blutige Form der Konfliktbewältigung vor. Öffentliche Gelöbnisse und Truppenverabschiedungen in prunkvollen Paraden auf dem Petersberg romantisieren den wahren Zweck einer Armee: Krieg zu führen. Nicht zuletzt ist Erfurt durch die Errichtung des Logis-tik-Kommandos in das Zentrum der Armee gerückt. Von hier aus werden die logistischen Voraussetzungen geschaffen, die Kriege mit deutscher Beteiligung erst ermöglichen. Mit der Patenschaft an dem Kriegsschiff Korvette K130 Erfurt wird dem Ganzen die Krone aufgesetzt.