3. Mai 2016

Solidarität statt Egoismus

Neben traditionellen Demos und Kundgebungen (Foto oben) prägten leider auch marschierende Nazis das Bild, die von der Polizei vor antifaschistischen Protesten abgeschirmt wurden. Fotos: up/th

Wurde in den letzten Monaten fast ausschließlich über Flüchtlinge und den Aufstieg der AfD geredet, ist der traditionelle Tag der Arbeit für Parteien und Gewerkschaften immer die Chance, ihre Kernthemen  in den Vordergrund zu rücken. Leider findet kein 1. Mai mehr statt, bei dem nicht versucht wird, Themen wie „Gute Arbeit“ und soziale Gerechtigkeit von Rechts zu missbrauchen.


Weil die AfD in Stuttgart ihren Parteitag abhielt, war es dieses Mal u.a.  die Partei „die Rechte“ um Michael Fischer, die in Erfurt mit 200 Neonazis aufmarschierte. Zwar gab es auch  lautstarken Protest, doch ein Blockieren des Aufmarsches gelang in diesem Jahr nicht. Das ist besonders schlimm, weil die Thüringer Hauptveranstaltung zum 1. Mai extra nach Weimar verlegt wurde, weil im letzten Jahr Neonazis die Veranstaltung brutal überfallen hatten.
Mit 2.000 Menschen war die Kundgebung im Weimar bestens besucht. Ministerpräsident Bodo Ramelow warb eindrücklich für eine Bürgerversicherung, in die alle einbezahlen. Zu den „sozialen Grundgewissheiten“ gehöre diese ebenso wie eine auskömmliche Rente. Solidarität statt Egoismus forderte die Partei- und Fraktionsvorsitzende der LINKEN, Susanne Henning-Wellsow, ein. Einig warnten alle Redner, nicht nur in Weimar, vor der Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft, wie sie die AfD vortreibt. Bei Arbeitnehmerrechten  hat diese Partei rückwärts gewandte Positionen, wie bei ihrem mittelalterlichen Frauenbild.       
Positiv fiel in Erfurt auf, dass trotz der Abstinenz  vieler Funktionäre, die in Weimar weilten, gut 300 Menschen an der Demo teilnahmen. Darunter erstmals ein „Jugendblock“ aus Parteien, Verbänden und Gewerkschaften. Dass der 1. Mai auch Spaß sein darf, bewies wieder „Die Partei“ mit einer satirischen Winke-Aktion. Auch das Thüringer Satiremagazin „UNNU?“ hatte einen Infostand. 

Ebenfalls am 1. Mai wurde der WirGarten eröffnet (siehe Seite 4). Auf einer Brachfläche am Stadtring haben Aktive einen neuen Gemeinschaftsgarten geschaffen, bei dem die unkommerzielle Kultur im Vordergrund steht. Dort waren nur glückliche Gesichter zu sehen und keine Nazis. Solche Orte braucht Erfurt. Und über diese Sozio-Kultur lässt sich vielleicht auch wieder mehr Politisches machen. Nicht nur am 1. Mai.            

th