22. März 2016

Eine Frage der Gerechtigkeit

Schieflage: Mehr als 20 Prozent verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer. Eine Waage auf dem Erfurter Fischmarkt stand am Equal-Pay-Day symbolisch für diese himmelschreiende Ungerechtigkeit. Foto: th

Die rechtspopulistische AfD feierte bei drei Landtagswahlen riesige Erfolge und schon scheint es nur noch ein Thema zu geben: Zuwanderung. Dass es generell um die große, seit Jahrhunderten drängende Soziale Frage geht, wird ausgeblendet. In der aufgeregten Asyl- und Flüchtlingsdebatte werden geflüchtete Menschen gegen Einheimische ausgespielt. Die Schreihälse, die jahrelang geschwiegen haben und jetzt aus ihren braunen Löchern kriechen, hat die Soziale Frage – ob bei Hartz IV, Rentenungerechtigkeit oder dem neoliberalen Kürzungswahn – nicht interessiert. Und alle, die jetzt Angst um Frauen haben, hat das Thema Frauenrechte nie interessiert – die  klaffende Lohnlücke schon gar nicht.  

Deswegen ist es gut, dass Gewerkschaften, Parteien und verschiedene Verbände deutschlandweit wieder Aktionen rund um den Equal-Pay-Day gestartet haben. Es ist und bleibt ein Skandal, dass Millionen von Frauen, die genauso hart wie ihre männlichen Kollegen arbeiten, im Schnitt 22 Prozent weniger Lohn bekommen und es ändert sich seit Jahren so gut wie nichts.  „Die Entwicklung stagniert. Wir sind schon seit Jahren bei etwa 20 Prozent Lohnunterschied. Die Lohnunterschiede zwischen Ost und West kommen noch dazu.  Niedrige Einkommen führen zu niedrigen Renten und zu Altersarmut, gerade bei Frauen“, konstatierte die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Katrin Christ-Eisenwinder.

 

46 Prozent weniger Lohn im Osten

 

Frauen in Thüringen verdienen durchschnittlich acht Prozent weniger.  „Damit liegt Thüringen unter dem Bundesdurchschnitt von 21 Prozent, aber das liegt in erster Linie daran, dass auch das Einkommen der Männer in Thüringen weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Schaut man sich den Einkommensunterschied zwischen Frauen in Thüringen und Männern in den Altbundesländern an, so erkennt man ein Minus von 46 Prozent“, sagte die DGB-Regionsgeschäftsführerin Renate Licht.  Wegen dieser Lohnlücke müssen Frauen bis zum 19. März, dem Equal-Pay-Day, umsonst arbeiten. 
Zur generellen Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gesellt sich ein weiteres Dilemma. „Gerade in Dienstleistungsberufen, ganz besonders in der Sozialbranche, sind besonders viele Frauen beschäftigt. Diese Berufe werden schon im Vorhinein schlechter bezahlt als andere“, kritisieret die Gleichstellungsbeauftragte. 
Deshalb hatten auch die Landtagsfraktionen von LINKE, SPD und Grüne am 17. März zu einer Aktion unter dem Motto „Berufe mit Zukunft“ eingeladen. Das Ziel, die Arbeits- und Aufstiegschancen von Frauen zu verbessern, ist auch fester Bestandteil des rot-rot-grünen Koalitionsvertrages. (Mehr dazu im Parlamentsreport).  
Außerdem müsse noch viel stärker thematisiert werden, wie mehr Frauen  in Führungspositionen kommen können und wie es gelingen kann, diese „gläserne Decke“ zu durchbrechen, fordert Katrin Christ-Eisenwinder.   Dazu hört man aus der rechten Ecke ebenso wenig, wie zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder zum Pflegenotstand. Kein Wunder, dass laut Umfragen nur ein kleiner Teil der Frauen sich vorstellen kann, die AfD zu wählen.  
„Viele, die jetzt AfD wählten, haben sich nicht bewusst für deren Inhalte ausgesprochen, sondern nur den Protest gewählt. Ich frage die Leute immer: Glaubst du wirklich, dass deine Oma mehr Rente kriegen würde, wenn die Flüchtlinge nicht hier wären? Dann schauen sie mich mit großen Augen an und beginnen nachzudenken“, fasste Katrin Christ-Eisenwinder zusammen. 


th

 

 

 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/7/artikel/eine-frage-der-gerechtigkeit/