15. November 2016

Neue Trassen für Kohlestrom

Von Ralph Lenkert

 

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz stellte in Informationsveranstaltungen die geplanten Korridore für den SuedOstLink vor, der quer durch Ostthüringen gehen wird. Tennet präsentierte die Planungen für den SuedLink mit einer Korridorvariante quer durch das Eichsfeld, den Hainich und durch Südthüringen zur Rhön. Seit Jahren kritisiert DIE LINKE die geplanten Gleichstromtrassen. Wir sind nicht generell gegen einen Netzausbau, aber um eine ökonomisch wie ökologisch sinnvolle Energiewende zu erreichen, muss das Motto gelten: so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig! Doch die Bundesregierung und die vier Netzbetreiber treiben nur den Ausbau der Übertragungsnetze, der „Stromautobahnen“ voran, und zementieren so den Fortbestand der zentralen Energieerzeugung. 

 

Gewinne für Braunkohle sicher


In diese Übertragungsnetze speisen hauptsächlich die Betreiber von Kohlekraftwerken ein. So können sich die großen Braunkohlestromerzeuger ihrer Gewinne auch in Zukunft sicher sein. Wir haben dem entgegen immer wieder kritisiert, dass bisher von den Netzbetreibern nicht eine Variante durchgerechnet wurde, die auf Vermeidung des Ausbaus abzielt. Bei einer solchen Variante ist das zugrunde liegende Energiekonzept entscheidend. In diesem Konzept müssen die Potenziale des technischen Fortschritts zum Beispiel bei der Verbindung des Wärmenetzes mit dem Stromnetz, bei der Kraft-Wärme-Kopplung und bei der Entwicklung von regionalen Energiespeichern einbezogen werden. Die Höhe des Stromverlustes auf langen Übertragungswegen und die Notwendigkeit der Entwicklung und Installation von Speichertechnologie für erneuerbare Energien werden im derzeitigen Netzausbauplan vernachlässigt.


Warum wird der Ausbau der Stromautobahnen dennoch mit solcher Energie vorangetrieben? Es geht um Exporte und Gewinne. So liegt die exportierte Strommenge in Deutschland mit über 50 Terrawattstunden bei fast 10 Prozent der erzeugten Strommenge. Selbst bei ausreichend Wind- und Solarenergie laufen die Kohlekraftwerke auf Hochtouren. Die geplanten Trassen dienen daher in erster Linie dem Transport von Kohlestrom, nicht der Energiewende. Die Netzbetreiber sind an einem massiven Ausbau der Übertragungsnetze interessiert, da sie eine offiziell garantierte Rendite von fast 7 Prozent für 40 Prozent des eingesetzten Eigenkapitals erhalten.

 

Thüringen zahlt, statt zu verdienen


Im Übrigen besitzen die jetzt geplanten Stromautobahnen zwischen End- und Startpunkt keine „Ausfahrten“. Somit können die Thüringer*innen nicht mal theoretisch von dem durch Thüringen geleiteten Strom profitieren. Sie zahlen stattdessen für diese Stromtrassen noch zusätzliche Netzentgelte. Der Bau der 500KV Gleichstromtrassen verteuert die Netzentgelte um ca. 0,5 Cent je Kilowattstunde.


Eine konsequente Forderung wäre daher, dass Stromerzeuger, Stromhändler und Stromgroßkunden ebenfalls an den Kosten des Netzes und des Netzausbaus beteiligt werden und alle Stromkund*innen bundesweit einheitliche Netzentgelte zahlen. Das würde für Thüringer Stromkund*innen endlich einmal eine Entlastung von über 1,5 Cent je kWh bedeuten. 


Es waren CDU und SPD, die den Bau der 500kV-Gleichstromtrasse zum Gesetz erhoben haben. Er wird ohne ein anderes Parteienverhältnis im Bundestag nicht zu stoppen sein. 
Da die Leitungen als Erdkabel gebaut werden sollen, entsteht im Osten und im Westen Thüringens jeweils eine 20 Meter breite Trasse, die die Landschaft dauerhaft zerschneidet und die nicht mehr bebaut oder bepflanzt werden kann. Der Bau muss deshalb schon aus umweltpolitischen Gründen mit allen Mitteln verhindert werden. Aber trotzdem, wenn er nicht zu verhindern sein sollte, müssen die betroffenen Kommunen und die Bürger*innen die Planungsphase nutzen, damit im Notfall der überflüssige Netzausbau so wenig Schaden wie möglich an unserer Umwelt und Natur verursacht.

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/4/artikel/neue-trassen-fuer-kohlestrom/