13. Dezember 2016

FAIRES FEST

Der Landmarkt-Kiosk vor der Silhouette der durch den von den Nazis entfesselten Krieg zerstörten Barfüßerkirche ist nur einer von vielen Eindrücken jenseits des üblichen Erfurter Weinnachtstrubels. Am Domplatz dröhnt tagein tagaus der Kommerz. Nicht jeder will sich unkritisch von der Flutwelle des Konsumrausches mitreißen lassen. Eine Reihe verschiedener Organisationen haben am 3. Dezember zum zweiten Mal einen fairen und nachhaltigen Adventsmarkt organisiert. Der genossenschaftlich organisierte Landmarkt oder die Markusgemeinschaft vom Gutshof Hauteroda gehören da schon fast zu den Alteingesessenen. Erst seit letztem Jahr gibt es in Erfurt einen Oxfamshop. „Wir machen Überflüssiges flüssig“, lautet das Motto der ehrenamtlich Tätigen, die gut erhaltene, gespendete Dinge für einen guten Zweck verkaufen. Die Überschüsse kommen der Entwicklungsorganisation Oxfam Deutschland zugute, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden.Brandneu in Erfurt ist die weltweit agierende Non-Profit-Umweltorganisation Greenpeace, die den Tag nicht nur nutzte, um nachhaltige Geschenke zu basteln, sondern auch, um Netzwerke zu lokalen Akteuren zu knüpfen.   Zum Programm gehörten ebenfalls Diskussionen mit Erfurter Politikern über Konsum, fairen Handel und Flüchtlinge. Extrem perfide ist da, wenn konservative Politiker in der Adventszeit über christliche Werte schwadronieren, aber gleichzeitig massenhaft Menschen in Kriegsgebiete abschieben wollen, wo sie erschossen werden, erfrieren oder verhungern. Nächstenliebe? Barmherzigkeit? Solche Werte sucht man bei den selbsternannten Rettern christlich-abendländischer Leitkultur leider vergebens. Und es ist nicht nur allein die AfD. Die CSU und immer mehr die CDU nähern sich den menschenverachtenden Positionen der Rechtspopulisten sukzessive an. Umso erfreulicher, dass sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche sich am fairen Adventsmarkt beteiligten und nicht nur durch Andachten und Dialog. Die katholische Aktion Schutzengel sammelte alte Handys ein, lässt sie recyceln und will den Gewinn an ein Projekt für Fami- lien in Not im Kongo spenden. Das von jahrzehntelangen Kriegen zerrüttete Land wurde auch deshalb ausgesucht, weil der für die besonders zu Weihnachten so gern verschenkten Smartphones so wichtige Rohstoff Coltan von dort kommt und für dessen Forderung ganze Dörfer mit brutalster Gewalt vertrieben werden. Niemand verlangt, dass wegen all den Kriegen, der Armut und der Ungerechtigkeit in der Welt, die Menschen in Deutschland die Festtage nicht feiern. Denn eigenen Lebenswandel kritisch zu hinterfragen und erste Schritte zu wagen, etwas anders und vor allem besser zu machen, sollte in der besinnlichen Jahreszeit zwischen Gänsebraten, I-phone,  Blu-ray-Player und Silvesterböllerei auch mal drin sein. In diesem Sinne: Faires Fest!                  th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/4/artikel/faires-fest/