7. März 2017

Vom Versuch, Gesicht zu zeigen

Von Mandy Eißing 

 

Am 1. März fand eine Veranstaltung auf dem Altenburger Markt statt, bei der Demokrat_Innen des Altenburger Landes unter dem Motto „Gesicht zeigen“ 15 Minuten gegen eine Veranstaltung des rechten Medienmagazins Compact, welche am Abend in Kosma stattfand, für ein weltoffenes Altenburg eintraten. 

Als Redner, der vom Bürgerforum Altenburger Land organisierten Veranstaltung, waren unter anderem der Dresdner Richter Jens Maier, Andre`Poggenburg und der Rechtspublizist Jürgen Elsässer im „Kulturgasthof“ anwesend. Aus diesem Grund freute es mich als Altenburger Stadträtin sowie Kreisrätin des Altenburger Landes, dass so viele Menschen den Weg auf den Markt gefunden haben. 
Nach diesen 15 Minuten gingen die Massen auf dem Markt in unterschiedliche Richtungen. Die AfD mit dem Medienmagazin Compact, die uns kurz mit einem sehr eindeutigen Banner besuchten, fanden sich nun in Kosma ein. Ich entschloss mich kurzerhand, mit einigen Freunden und Antifaschist_Innen, mir diese Veranstaltung anzusehen. In der Hoffnung vielleicht auch die Gegenseite hören zu können und mit ihr ins Gespräch zu kommen, meldete ich beim Ordnungsamt und der Polizei unser Eintreffen an. Als wir mit knapp 10 Personen ankamen, kontrollierte uns die Polizei, während andere Gäste mit eindeutig rechtsextremen Symboliken auf Kleidung und Glatze ungehindert durchgehen konnten. Nach diesem sehr langwierigen und zeitraubenden Prozedere betraten wir den Veranstaltungsort „Kulturgasthof“ Kosma mit großem Interesse.
Drinnen sowie draußen trafen uns sofort böse Blicke. Auf dem Weg in den Veranstaltungsraum stoppten uns drei Herren rigoros, unter ihnen Andreas Sickmüller vom Altenburger Bürgerforum. Uns wurde anstelle eines „herzlich willkommen“ ein sichtlich angewidertes „Was wollt ihr denn hier?“ entgegengeworfen. Ich und meine Begleiter_Innen versicherten den Herren wir wollten der Veranstaltung beiwohnen um etwas mehr über die Ansichten des Bürgerforums und des Herrn Jürgen Elsässer zu erfahren. Auch hätten wir uns gern an einer Diskussion beteiligt. Mit scharfem Wort wimmelte man uns ab, wir hätten doch eh keine vernünftigen Argumente, alles was wir wollten würde doch schon in der Tagesschau übertragen und ähnlich Skurriles. Wir wiesen Sickmüller darauf hin, wir kämen keineswegs um seine Veranstaltung zu stören, sondern seien an einer demokratischen Lösung und Diskussion interessiert. Dem entging er schlicht mit einem: „Wer behauptet ich wäre Demokrat?“ Anschließend verschärften sich die verbalen Angriffe uns gegenüber. Ein Mitstreiter, welcher sich bereits auf der Treppe in Richtung Hauptsaal befand, wurde mehrfach von einem sichtlich rechtspopulistischen Hutträger durch Androhung von Gewalt darauf hingewiesen, diese Treppe sofort zu verlassen. Immer heftiger argumentierte man gegen uns. Auf der Treppe reihten sich einige Neonazis auf, zogen demonstrativ ihre Jacken zu. Erneut wurde uns mit Nachdruck erklärt, wir sollen die Veranstaltung sofort verlassen, sonst würde man uns dazu bringen. Unter Polizeibegleitung, die definitiv zu unserem Schutz von Nöten war, verließen wir das kosmanische Reich. Nun ist die Frage: Wieso beschwert sich die AfD und das Bürgerforum? Sie dürften linken Veranstaltungen nicht beiwohnen. Selbst weisen sie aber interessierte Menschen ab. Wieso spricht sie sich gegen Gewalt auf ihren Veranstaltungen aus? Selbst bedrohen sie aber im selben Moment friedliche Besucher? Nun bin ich Komunalpolitikerin und wollte in der Tat eine offene Diskussion und keine hinter verschlossenen Türen. Das wurde mir verwehrt. Wie soll es in Altenburg und im Landkreis weitergehen, wenn gar nicht gewünscht wird dass wir miteinander reden?