7. März 2017

Zeichen für Mut und Toleranz

Ouelgo Téné als Hauptmann von Köpenick am Landestheater Altenburg. Foto: Sabina Sabovic

Das ostthüringische Altenburg steht dank eines Theaterstücks im Fokus der Öffentlichkeit. Weil Ouelgo Ténédie aus Burkina Fasso die Rolle des Hauptmanns von Köpenick verkörpert, laufen als besorgte Bürger getarnte Rassisten zur neuen Hass- und Hetzhochform auf. Dabei sparte schon Carl Zuckmayers Original nicht gerade an beißend-ironischer Kritik am preußischen Kadavergehorsam und thematisierte bereits  1931 das Problem der Ausweisung. Heute heißt das Abschiebung.  Im Original bekommt Wilhelm Voigt, gerade aus der „Plötze“ entlassen, keine Aufenthaltsgenehmigung für Berlin und findet deshalb keine Arbeit. Eine Arbeit bekommt er nicht, weil er keine Aufenthaltsgenehmigung  hat. Eine „Kaffeemühle“, die auch vielen geflüchteten Menschen bekannt vorkommen dürfte.  „Ich hab mich heim gesehnt. Das glauben sie gar nicht, wie schön Deutschland ist, wenn man weit weg ist und immer nur dran denkt“, sagt Ouelgo Ténédie in der wilhelminischen Amtsstube zu Beginn der Aufführung.  Die Besetzung verschafft dem Stück eine ganz aktuelle Dimension, wie Schauspieldirektor Bernhard Stengele betont.  „Wenn man ein Schwarzer ist in dieser Welt, dann hat man noch nie eine Grenze überschritten, ohne am Körper untersucht zu werden. Das heißt, seit er Kind ist, erfährt er, nur weil er schwarz ist, hat er es schwer. Und das ist eine Erfahrung des Ausgegrenztseins, die der Schus-ter Voigt ja auch macht. Und wenn der Schauspieler diese Erfahrung mit in die Rolle bringt, dann ist das natürlich sehr hilfreich, und die Zuschauer erkennen ihn auch als solchen.“Klar, dass bei derart vernünftigen Argumenten im postfaktischen Zeitalter, der Aufschrei von rechts nicht lange auf sich warten lässt.  Rassistische Übergriffe auf Ténédie – der deshalb Altenburg Ende des Jahres verlassen will – sowie ein Boykottaufruf des „Bürgerforums Altenburg“, das im Grunde nichts anderes als ein Pegida-Klon ist, waren die Folge Entsetzen gibt es zudem über Äußerungen des Altenburger OB Michael Wolf, der Schauspieldirektor Bernhard Stengele vorwirft, aus Gründen medialer Aufmerksamkeit die Stadt mit rassistischen Denkweisen in der Bevölkerung in Verbindung zu bringen. „Das Gegenteil ist der Fall“, findet die Altenburger Landrätin Michale Sojka (DIE LINKE).  „Diesen Imageschaden haben eine handvoll, zugegebenermaßen sehr lauter Aktivisten des Bürgerforums zu verantworten, die glücklicherweise nicht die Mehrheit der Altenburgerinnen und Altenburger unserer kulturvollen Stadt repräsentieren. Das ist mir in unzähligen Zuschriften immer wieder versichert worden. Da hilft nur eins: Gesicht zeigen. So wie am 1. März auf dem Altenburger Markt Ich war sehr gern dabei. Wir brauchen ein Zeichen für Mut und Toleranz“, fordert Michale Sojka.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag zur Aktion "Gesicht zeigen."

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/3/artikel/zeichen-fuer-mut-und-toleranz/