20. Oktober 2015

„Suhl-Buch“ des einfachen Mannes von Landolf Scherzer

Von Ina Leukefeld

 

Der Autor Landolf Scherzer hat seinen Chronologien über Politiker und das Funktionieren von Macht vor und nach der Wende nun einen vierten Teil folgen lassen. Als er mich nach der Wahl von Bodo Ramelow am 5.12. im Thüringer Landtag fragte, was ich davon halten würde, den Reportagen „Der Erste“ (Hans-Dieter Fritschler), „Der Zweite“ (Stefan Baldus), „Der Letzte“ (Scherzer selbst) ein viertes Buch über den ersten LINKEN Ministerpräsidenten eines Bundeslandes folgen zu lassen, habe ich ihm sehr zugeredet. Tolle Sache. Nun liegt das Buch „DER ROTE“ vor. Zur traditionell ersten Vorstellung eines Buches von Landolf Scherzer  (es sind nun 25) im Buchhaus Suhl bei den Wanieks waren wieder viele Leserinnen und Leser gekommen. Scherzer meinte gleich zu Beginn, es sei ein Suhl-Buch geworden. Warum? Nein, nicht weil Ramelow schon öfter in Suhl war, als alle Thüringer Ministerpräsidenten vorher, sondern weil es auch ein Buch der kleinen Leute aus der Gegend hier ist. Landolf Scherzer wohnt in Suhl-Dietzhausen, im Seß- lestal. Dort hat er die Menschen gefragt, was sie von dem Neuen halten, was sie erwarten, hoffen oder befürchten. Nun, keine Grenzkontrollen (bisher!), es gibt noch Bananen und Regionalgeld wurde auch nicht eingeführt. Bodo Ramelow wird von vielen Menschen geschätzt, trotz Häme in den Medien und der kritischen Begleitung jeder Äußerung und jeden Schrittes.

Im Buch lernt man neben Frieder, dem Kumpel und Kanalarbeiter, der Scherzer oft hilft und der erstaunlich viel über Ramelow weiß, auch Minis-terkollegen, Parteifreunde und Landtagsabgeordnete kennen. Da entwickelt sich, wie im Fixierbad, ein Abbild von Ramelow und dieser spannenden Zeit, in der wir leben. Von den jetzt ganz aktuellen Herausforderungen war in den ersten 100 Tagen noch nicht viel zu spüren. Ahnen konnte man es und so führte auch ein erster Besuch kurz nach der Wahl, noch vor Weihnachten 2014, in die Suhler Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, die wenige Monate später aus den Fugen geraten ist. Das war damals ein deutliches Zeichen linker Politik und ist es auch geblieben. Ramelow geht auf die Menschen zu, kümmert sich. 

Die Frage nach Macht und Ohnmacht, nach den Erwartungen der Menschen an eine rot-rot-grüne Regierung mit einem Linken an der Spitze und den tatsächlichen Fähigkeiten, diese zu erfüllen, wird im Buch gestellt, aber nicht beantwortet. Die Antworten müssen immer wieder aufs Neue gesucht und gefunden werden. Regieren ist nichts Fertiges, nach dem Motto: Geschafft! Regieren ist ein lebendiger Prozess des Gestaltens, mit Höhen und Tiefen, immer auf der Suche nach den bestmöglichen Lösungen. 

Das Buch ist ein Blick hinter die Kulissen, aber keine Bodo-Ramelow-Biografie. Das sollte es auch nicht sein. Das wäre ja auch viel zu früh, denn da ist noch viel zu erwarten. 

Ich hab jedenfalls noch am Abend aus dem Suhler Buchhaus in Facebook geschrieben: „Es ist super. Scherzer redet und liest aus dem Buch DER ROTE und die Besucher sind voll dabei, lachen und freuen sich.“

 

Landolf Scherzer: Der Rote, 363 Seiten, Aufbau Verlag, 19,95 Euro.