8. September 2015

Nach dem Krieg kommen die Folgen

Während Angst und Hass die Debatte über Asyl- und Flüchtlingspolitik im öffentlichen Diskurs dominiert, luden DIE LINKE und viele andere rund um den Weltfriedenstag am 1. September zu Friedensfesten und Gedenkveranstaltungen ein, bei dem die Mitmenschlichkeit groß geschrieben wurde. Fotos: sk/sm/th

Die Debatte um Asyl- und Flüchtlingspolitik hat in diesem Jahr das Sommerloch im Alleingang gefüllt. Und auch mit Beginn des Herbstes ist kein Ende in Sicht.  Doch während es fast immer nur um Kosten, Integration von Migranten oder die Ängste angeblich besorgter Bürger geht, wird der eigentliche Kern des Problems, das weltweite Kriegsgeschehen samt der deutschen Schuld einfach unter den Teppich gekehrt. 
Rund um den Weltfriedenstag am 1. September hatten DIE LINKE, der Aktionskreis für Frieden, die Gewerkschaften und viele weitere Akteure zu Friedensfesten und Gedenkveranstaltungen aufgerufen. In Weimar, und wie seit über 20 Jahren traditionell in Gera, wurde ein buntes Fest für Frieden und Völkerverständigung gefeiert.
Anders als in den vergangenen 25 Jahren schwarzer Traurigkeit, nahmen erstmals Mitglieder der Landesregierung an den Veranstaltungen teil. Besonders bemerkenswert war der Auftritt des Thüringer Ministerpräsidenten am Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur am 1. September auf dem Erfurter Petersberg. „Nach Rüstung kommt Krieg und nach Krieg kommen die Folgen“, sagte Bodo Ramelow mit Blick auf die  Debatte über die Flüchtlinge.  Das kam so gut an, dass Ute Hinkeldein vom Aktionskreis für Frieden vom „Ministerpräsident der Herzen“ sprach. 
Gemeint war damit auch Ramelows Einsatz  bei der Planung für das Denkmal des Erfurter Künstlers Thomas Nicolai, das er zusammen mit vielen andern, gegen zahlreiche  Widerstände und übelste Anfeindungen, in die Tat umgesetzt hat.   
Undenkbar war es, dass sich ein CDU-Ministerpräsident an diesem Ort sehen ließ. Ramelow betonte, es sei einer seiner schönsten Tage gewesen als er beobachtete wie Karl-Heinz Walter, „der Herr des Petersbergs“, einer Gruppe von Bundeswehroffizieren mit langen Gesichtern das Deserteurdenkmal erklärte. 
Nicht nur DIE LINKE,  auch die Gewerkschaften haben sich immer für Friedenspolitik eingesetzt. Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, gab aber selbskritsch zu, dass die Diskussion „über die verdammten Waffen“ in den Gewerkschaften manchmal etwas müde sei. Wie auch Ramelow verwies Witt auf die Komplexität von Kriegsgeschehen, Armut, Ausbeutung und den damit in direktem Zusammenhang stehenden Flüchtlingsströmen. 
Witt, dem auffiel, dass es kein Hinweisschild auf das Deserteurdenkmal gibt, regte an, die Buga 2021 in Erfurt auch mit dem Denkmal auf dem Petersberg zu verbinden. Der Kampf gegen Rechtsextremismus, den die Gewerkschaften zusammen mit Partnern wie der Linkspartei führt, müsse zum Anti-Rassismus werden und dazu brauche es mehr Mitmenschlichkeit. 
Schade nur, dass das immer noch extra erwähnt werden muss.  Sollte diese Mitmenschlichkeit nicht das höchste Gut der oft beschworenen abendländischen Kultur mit seinen angeblich jüdisch-christlichen Wurzeln sein?        

th