27. Juni 2017

Erste realistische Analyse der Thüringer Schulen

Die Kommission „Zukunft Schule“ hat am 21. Juni ihre Empfehlungen für die zukunftsfähige Ausgestaltung des Thü-ringer Schulsystems vorgelegt.

Die vom Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und der Thüringer Bildungsminis-terin Dr. Birgit Klaubert eingesetzte Kommission „Zukunft Schule“ hat am 21. Juni ihre Empfehlungen für die zukunftsfähige Ausgestaltung des Thüringer Schulsystems vorgelegt. In ihrem mehr als hundertseitigen Ergebnisbericht stellen die acht Kommissionsmitglieder Lösungswege vor, um effiziente Strukturen für die Thüringer Schullandschaft und damit die Rahmenbedingungen für eine Thüringer Unterrichtsgarantie zu schaffen.
Dazu erklärt Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler: „Zukunftsfähigkeit braucht Veränderung, auch in der Bildungslandschaft. Wir wollen die genannten Möglichkeiten nutzen und uns gleichzeitig den großen Herausforderungen auf dem Weg hin zu einem effizienteren Ressourceneinsatz und einer Thüringer Unterrichtsgarantie stellen – ohne Wenn und Aber. Dafür bilden die heute vorgestellten Handlungsempfehlungen einen wichtigen Grundstein. Wir danken allen Kommissionsmitgliedern für ihre konstruktive Arbeit und hoffen auf die ebenso konstruktive Beteiligung aller bildungspolitischen Akteure, was die gemeinsame Umsetzung der Vorschläge betrifft.“ 
 Kommissionsmitglied Helmut Holter, Minister a.D. und Mitglied des Landtags Mecklenburg-Vorpommern, ergänzt: „Dem drängendsten Problem des Unterrichtsausfalls ist nicht mit einer einfachen Lösung Herr zu werden. Dafür braucht es ein Bündel an Maßnahmen. Unser erster Vorschlag lautet, das Modell der Vertretungsreserve weiterzuentwickeln und durch einen Dreiklang aus Personalausgleich von Langzeiterkrankungen, Schulbudget und mobiler Vertretungsreserve auszudifferenzieren. Weitere Ressourcen können unter anderem über eine Optimierung des Thüringer Schulnetzes, eine Fachkräfteoffensive für Mangelfächer und die Erleichterung des Seiteneinstiegs gewonnen werden.“ 
 Abschließend erläutert Kommis-   sionsmitglied Dieter Eckert, Bürgermeister a.D. Offenburg: „Wenn es um den Erhalt kleiner Schulstandorte im Sinne eines effizienteren Ressourceneinsatzes und echter Qualitätsverbesserungen geht, braucht es Kooperationsmodelle, die jeweils zur lokalen Situation passen. Schulen in solchen Kooperationsmodellen sollten gemeinsame Schulbezirke führen und sich in der Klassenbildung sinnvoll abstimmen. Um dahingehend für Gleichberechtigung und geordnete Verhältnisse zu sorgen, sollte das Land zur Festlegung von Eckwerten für das Thüringer Schulnetz ermächtigt werden.“
Die über ein Vierteljahrhundert verfehlte CDU-Bildungspolitik kann Rot-Rot-Grün, noch dazu mit der gesundheitlich angeschlagenen Ministerin Dr. Birgit Klaubert,  nicht in einem Zehntel der Zeit rückgängig machen. Kein Wunder, dass Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler noch immer aus Protest auf die Straße gehen müssen, wie zuletzt in Jena.   Umso wichtiger, dass die Landesregierung keine Schönfärberei betreibt. 
Das begrüßt auch die Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW). Die  Kommission habe erstmals eine umfangreiche und vor allem realistische Bewertung der Entwicklung und des Ist-Standes der Thüringer Schulen getroffen. „Viele der Vorhaben können allerdings nur gelingen, wenn kurzfris-tig zusätzliche Haushaltsmittel bereitgestellt werden.  Die GEW Thüringen hat auf viele der nun formulierten Lösungsansätze seit Jahren hingewiesen und wird sich konstruktiv und kooperativ in den für Herbst 2017 anberaumten Werkstattgesprächen einbringen“, heißt es in einer Erklärung der GEW. 
Das 10-Punkte-Programm beinhaltet u.a. eine auf drei Säulen aufgebaute Vertretungsreserve, die hin zu einer Thüringer Unterrichtsgarantie führen soll, Eckwerte für gleichmäßige und gerechtere Klassengrößen, neue Kooperationsmodelle für den zukunftsfes-ten Erhalt kleiner Schulstandorte, die Einführung eines Sozialindexes für die Lehrkräfteverteilung, eine Werbekampagne zur Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte, ein Seiteneinsteigerprogramm sowie die Entlastung der Lehrkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben. 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/1/artikel/erste-realistische-analyse-der-thueringer-schulen/