25. Juli 2017

Die kriminelle Energie der Autoindustrie

„Spätestens jetzt wird niemand mehr daran glauben können, dass es sich um einen reinen VW-Skandal handelt. Sollten sich die Meldungen zu Absprachen in der Automobilindustrie bestätigen, dann hätten die betreffenden Konzerne damit nicht nur die Zulieferer geschädigt, sondern auch ihre Kunden und vor allem die Gesundheit der in Innenstädten lebenden Menschen. Und das dabei zu Tage getretene Maß an krimineller Energie in der Branche wäre wirklich erschreckend“, kommentierte Herbert Behrens (DIE LINKE), ehemaliger Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zum Abgasskandal, die Berichte über Absprachen der Automobilindustrie über die Preisgestaltung und die Konfiguration von Abgasnachbehandlungs-   systemen. 
„Minister Dobrindt hat trotz eindeutiger Hinweise auf Abschalteinrichtungen aus seiner Untersuchungskommission allen Herstellern die Absolution erteilt, die deren Verwendung nicht selbst zugegeben haben. Das macht ihn zum Teil des Kartells und disqualifiziert ihn als Minister vollkommen. Daher ist der angekündigte Diesel-Rettungsgipfel angesichts der neuesten Enthüllungen eine Farce. Hier wird niemand die richtige Schlussfolgerung ziehen und den schrittweisen Ausstieg aus der Dieseltechnologie beschließen. Dabei sollte allen Beteiligten klar sein, dass sich unter dem Credo‚ der Diesel ist tot, es lebe der Diesel‘ eine ganze Branche Richtung Abgrund bewegt, was zig-tausende Arbeitsplätze gefährdet.“
„Minister Dobrindts Unfähigkeit, die Abgaskrise in ihrem gesamten Ausmaß zu erkennen und in den Griff zu bekommen, bedroht die Automo-bilindustrie mit ihren Beschäftigten und den Zulieferern im Kern. Es sind inzwischen nicht mehr nur die Fragen gesundheitlicher Schäden von Millionen Menschen und die Verluste für die Dieselauto-Käufer, die schnells-tens gelöst werden müssen. Es geht zudem darum, die Autohersteller nicht länger gewähren zu lassen, sondern zur Einhaltung der Gesetze und Grenzwerte zu zwingen“, so der Verkehrsexperte der Fraktion DIE LINKE.  
„Die Vorwürfe gegen Daimler kommen wie eine Enthüllung daher, doch es handelt sich lediglich um das Zusammentragen aller Fakten, die seit Monaten auf dem Tisch liegen. Die Stickoxyd-Werte werden bei führenden deutschen Autoherstellern nicht eingehalten. Das stellte selbst die Untersuchungskommission Volkswagen fest, und Messergebnisse des ADAC und des Umweltbundesamtes haben dies schon vor Jahren belegt.  Jetzt wird gegen Daimler ermittelt, weil schon vor einem Jahr durch hohe Abgaswerte auffällig gewordene Fahrzeuge mit einer illegalen Abschalteinrichtung ausgestattet sein könnten. Nur einer will von alledem nichts gehört haben: Verkehrsminister Dobrindt. Statt sich die Verursacher der gesundheitsgefährdenden Stickoxyde zur Brust zu nehmen, beschäftigt sich der Minister lieber mit der ‚grünen Welle‘, um die Schadstoffbelastung zu senken. Mit so einer Mentalität macht man sich zum Komplizen der Betrüger und hat auf einem Ministersessel nichts zu suchen.“

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/1/artikel/die-kriminelle-energie-der-autoindustrie/