11. Juli 2017

Der Gipfel der Ungerechtigkeit

Foto: DIE LINKE/flickr

Der G 20 Gipfel in Hamburg war in so gut wie jeder Hinsicht eine absolute Farce. Schon im Vorfeld wurde das Demonstrationsrecht beschnitten und somit die Grundlage für die Eskalation am Gipfel-Wochenende gelegt.

 

 

 

Ging nun die Gewalt von der Polizei aus oder vom so genannten Schwarzen Block? Keiner weiß es genau, aber fast jede und jeder glaubt in der Frage die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Am Ende ist es wie bei vielen Demos oder auch Fußballspielen, die breite Masse ist bunt und friedlich und nur eine geringe Zahl auf Krawall gebürstet. Um Politisches geht es dann oft nicht mehr. Ob die Leute, die wahllos Autos angezündet haben, überhaupt irgendwelche politischen Aspirationen hatten, darf stark angezweifelt werden. Vielleicht waren es keine Links-Autonomen, sondern Neonazis, Provokateure vom Verfassungsschutz oder einfach nur volltrunkene Hooligans? 


So verurteilungswürdig die Gewalttaten und das teilweise provozierende Verhalten der Polizei auch sind, so richtig ist es gegen den Gipfel-Irrsinn friedlich zu protestieren. Das haben zehntausende Menschen drei Tage lang getan. Während sich die 20 Staats- und Regierungschefs in der großkotzigen Elbphilharmonie  Musik zu Gemüte führten, müssen viele Einwohner der reichen Hansestadt schon wieder überlegen, wie sie die Miete für den nächsten Monat aufbringen sollen. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die viele wütend macht, und die trotzdem friedlich bleiben.  Die Mainstream-Medien berichten aber lieber über die Krawalle oder das neueste Kleid von Mrs. Trump. Das bringt mehr Quote und Werbegelder als friedliche Proteste gegen Armut und Ungerechtigkeit. 


Eine sachliche Aufarbeitung der Geschehnisse findet sowieso kaum statt. Das gilt sowohl für die Ereignisse auf der Straße als auch für die Ergebnisse des Gipfels.  Das Abschlussdokument dieses Gipfels der Ungerechtigkeit ist ein Papier für Freunde der Dialektik. Zwar bekannte man sich zum Klimaschutz, aber die USA und die Türkei wollen nicht mehr mitmachen. Man bekennt sich zum Freihandel, aber die USA dürfen legitime Schutzinstrumente anwenden. Es ist ein Wischiwaschi-Dokument, ein an die Wand genagelter Pudding. Weltpolitische Probleme, ob Finanzen, Klima oder vielerorts tobende Kriege wurden nicht gelöst. Oder frei nach Bertolt Brecht: Wer das vom Gipfel erwartet hat oder dass sie seine Freunde sind, der hat eben dann erwartet, dass der Regen von unten nach oben rinnt. 

 

th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/browse/1/artikel/der-gipfel-der-ungerechtigkeit/