7. April 2015

Im Zentrum aller weltweiten Bundeswehreinsätze

Nadelstiche: Während zu viele im Urlaub oder beim Shopping die Kriegs-Realität ignorieren, kamen 100 Menschen zum Erfurter Ostermarsch. Foto: th

Für die Mehrheit der Menschen in Thüringen geht es Ostern um Erholung. Immer mehr geben sich, wie zur Weihnachtszeit, willenlos dem Konsumwahn hin. Nachdenken  und Sich in der freien Zeit wenigsten eine Stunde tiefergehend mit dem Zustand des Planten beschäftigen?Das ist dank Massenverblödung durch Bild, Bams und Glotze leider nicht en vogue. 

Angesichts der nur knapp einhundert Unentwegten, die am Ostersamstag auf die Straße gingen, blickte man in manch traurige Gesichter als direkt vor dem Erfurter Hauptquartier des Konsumwahns, dem Anger 1, der Ostermarsch startete. Warum Erfurt und nicht mehr wie traditionell nur in Ohrdruf? Weil in Erfurt das Logistik-Kommando der Bundeswehr die Einsätze der deutschen Armee koordiniert und die logistischen Voraussetzungen für Krieg schafft. „Damit rückt die Landeshauptstadt in das organisatorische Zentrum aller Einsätze der Bundeswehr weltweit und wird dabei dem selbst gewählten Titel 'Stadt des Friedens', an keiner Stelle gerecht“, fasste der LINKE Landtagsabgeordnete  Christian Schaft zusammen. 

 

Nadelstiche gegen den Krieg

 

Während in anderen Städten, tausende auf die Straße gehen, blieb es in Erfurt bei „Nadelstichen“, wie es der stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt, auf den Punkt brachte. Nadelstiche, kennt man aus dem Fußballjargon und es ist deshalb so treffend, weil so manch kleiner Verein die Großen, übermächtig erscheinenden Gegner mit nur einem Konter, einem Nadelstich geschlagen hat. Kann es einen stärkeren Gegner im Kampf für den Weltfrieden geben als den Krieg und die dazu gehörigen Hetzer und Profiteure? 

„Es geht um das NIE WIEDER“, sagte Witt bezugnehmend auf einen bekannten Antikriegs-Slogan. Gleichzeitig warf der Gewerkschafter die Frage auf: „Was ist aus dem Satz: Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“, geworden sei und lieferte die Antwort gleich mit. Milliarden sollen in die Entwicklung von neuen Kampfdrohnen gesteckt werden. Diese seien aber keineswegs ein  Kinderspielzeug, sondern schweres militärisches Gerät. 

 

Töten wie im Computerspiel

 

Das düstere Zukunftsszenario: Ein jugendlicher Computerspieler geht morgens in die Erfurter Löberfeld-Kaserne und tötet über tausende Kilometer Entfernung Menschen per Knopfdruck mit der Killerdrohne  – womöglich mit dem gleichen Gamepad wie auf der heimischen Spielekonsole. Kein Wunder, dass es Firmen gibt, die sowohl für das Militär Simulationen  als auch „Kriegsspiele“ entwickeln. 

 

Der Frieden beginnt vor Ort

 

Doch darüber zu reden, wäre kompliziert und die Menschen müssten auch ihr eigenes Leben in Frage stellen. Da ist es leichter, die Schuld bei anderen zu suchen, die sich nicht wehren können. Zurzeit beliebtestes Opfer: Flüchtlinge. Alle Ostermarschierenden waren sich einig: Der Frieden beginnt vor Ort! Dazu gehört auch, Neonazis und Rechtspopulisten, die gegen Flüchtlinge hetzen, jederzeit und konsequent entgegenzutreten. Diese Menschen flüchten vor Kriegen, an denen auch Deutschland sowie seine NATO-Partner beteiligt sind und an denen deutsche Konzerne, wie eh und je, kräftig mitverdienen.  Darüber gilt es zu reden, darin waren sich Gewerkschaften, LINKE, [‘solid] und alle, die sich am Ostermarsch beteiligten einig. 

Schade nur, dass sich nicht mehr Stadtpolitiker sehen ließen. Dr. Steffen Kachel, Vorsitzender der Erfurter LINKE, forderte die Stadtpolitik auf, sich endlich der  Verantwortung zu stellen, die sie als Vertreter der angeblichen „Stadt des Friedens“ Erfurt haben. Gleiches könnte man für diverse Kirchenvertreter sagen. Immerhin waren sie es, die den Ostermach in den 1950er Jahren als Antwort auf die Wiederbewaffnung erfunden haben. Doch die bleiben ebenso fern, wie der „Mayor of Peace“ Andreas Bausewein, der lieber Kriegsschiffe mit dem Namen der Landeshauptstadt einweiht, anstatt für Frieden auf die Straße zu gehen. 

So war es nur ein Nadelstich, aber der kann reichen, um einen Ballon mit heißer Luft, voller neoliberaler Kriegsrhetorik zum Platzen zu bringen. 

Thomas Holzmann 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/artikel/im-zentrum-aller-weltweiten-bundeswehreinsaetze/