7. November 2017

Die Zukunft des Verkehrs

Die Diesel-Gate-Affäre um manipulierte Abgassoftware oder das unwürdige Geschacher um die „Ausländermaut“ der CSU zeigen, wie degeneriert die Debatte um die Verkehrspolitik in Deutschland zum Teil geführt wird. Anstatt mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, passiert seit Jahren unter Ministern wie Dobrindt oder Ramsauer (beide CSU) das genaue Gegenteil. Während andere Länder feste Daten für einen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor festgelegt haben und kräftig in ÖPNV oder Radwege investieren, tut sich im Land der Raser und Drängler viel zu wenig. 


Dabei gibt es sinnvolle Lösungen und Konzepte, die zumindest in Großstädten und Ballungszentren bereits in Ansätzen funktionieren. Auf dem flachen Lande, wo in Thüringen zu oft nur noch ein ehrenamtlicher Bürgerbus verkehrt, ist das allerdings noch mal eine ganz andere Baustelle.

 

Kopfschütteln über Seilbahnpläne


Investitionen auf allen Ebenen von der Kommune bis nach Europa sind für eine soziale und nachhaltige Mobilität des 21. Jahrhunderts dringend nötig. Reine Prestigeprojekte der Hautevolee, wie eine Seilbahn für BUGA 2021 in Erfurt, lösen bei der Mehrheit nur fassungsloses Kopfschütteln aus. Das ist weder sozial noch nachhaltig und so unnötig wie ein chromblitzender V8-Geländewagen, der in der Innenstadt quer auf drei Behindertenparkplätzen steht.  

 

LINKE will neue Straßenbahnen für Erfurt


„Das Projekt einer temporären Seilbahn von der Ega zum Petersberg muss beerdigt und statt dessen in eine nachhaltige Straßenbahnlösung investiert werden“, fordert Matthias Bärwolff, Vorsitzender der LINKEN Stadtratsfraktion in Erfurt. „Mindestens sechs neue Niederflurstraßenbahnen sind für eine „BUGA-Linie“ von der Ega über den Domplatz zum Nordpark notwendig. Unabhängig davon ist der Straßenbahnbestand der Erfurter Verkehrsbetriebe um weitere acht Bahnen aufzustocken. Die Personenbeförderung auf der Schiene wäre damit nachhaltig gesichert“. 


Die Idee einer temporären Seilbahn könnte für die BUGA 2021 zwar kurzfristig die Besucherströme leiten und wäre eine Attraktion in der Landeshauptstadt. Nachhaltig ist aber nur eine Straßenbahnlösung, die auch über die Bundesgartenschau hinaus den ÖPNV stärkt. Dazu müssten sich alle Verantwortlichen zeitnah vom Projekt Seilbahn verabschieden, sagte der LINKE Verkehrsexperte. 

 

Steigende Fahrgastzahlen


„Schon jetzt machen steigende Fahrgastzahlen deutlich, dass die Erfurter Verkehrsbetriebe in den Ausbau des Straßenbahnnetzes investieren müssen. Doch nicht nur in Erfurt muss in neue Bahnen investiert werden. Auch andere Städte haben hier einen hohen Finanzierungsbedarf. Eine Förderung durch den Freistaat ist dabei von essentieller Bedeutung. Vor dem Hintergrund der gerade laufenden Haushaltverhandlung für 2018/2019, scheinen die dafür eingestellten Mittel jedoch nicht auszureichen. Hier muss dringend noch eine Schippe darauf gelegt werden, erklärte Bärwolff. (Die Position aus dem TMIL lesen sie hier)

 

Mit dem Zug in unter 2 Stunden nach Berlin


Die Vorzüge der Bahn sind keineswegs auf die Hauptstrecken beschränkt. Vom Erfurter Hauptbahnhof ist, dank des Einsatzes LINKER Politiker wie der Ilm-Kreis Landrätin Petra Enders,  der Bahnhof Rennsteig wieder direkt mit der kommunalen Erfurter Bahn erreichbar. 
Interessante Entwicklungen gibt es auch andernorts. Junge Menschen verzichten häufiger bewusst auf das Statussymbol Auto und setzen auf ÖPNV, Carsharing oder auch das Fahrrad. Ob klassischer Drahtesel oder modernes E-Bike, auch in Radwege muss dringend investiert werden. Mehr Radfahren und mehr ÖPNV, statt individueller Massenmotorisierung nützt dem Klima und der Gesundheit.  Allein auf die zu oft von Auto-Lobbyisten gesteuerte Politik zu warten, reicht nicht. Jeder Mensch kann an der  Zukunft des Verkehrs mitarbeiten: Auto stehen lassen und den ÖPNV oder das Rad nutzen.

Die rot-rot-grüne Landesregierung, allen voran die LINKE Verkehrsminis-terin Birgit Keller, sind sich dieser Probleme durchaus bewusst. Die in einem für DIE LINKE nicht gerade leicht verdaulichen Kompromiss errungene Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.  Dank dem Ausbau des Erfurter ICE-Knotens geht es bereits jetzt von der Landeshauptstadt aus in unter 2 Stunden nach Berlin, in weniger als einer nach Leipzig. Das dürfte selbst mit einem Ferrari nicht zu schaffen sein.