17. Oktober 2017

Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch deutsche Waffen

Nicht nur der frühere UNO-Generalsekretär, Ban Ki-moon, ist der Ansicht,  das Kleinwaffen, Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts sind. 95 von 100 Kriegsopfern werden durch sie getötet. Und Deutschland liefert ohne Skrupel Kleinwaffen und Munition sogar in Länder, in denen Konfliktparteien Kindersoldaten in den Kampf schicken: zum Beispiel in den Irak, an Pakistan, Indien, Kolumbien, Thailand oder die Philippinen. Hier müssen Jungen und Mädchen auch mit deutschen Waffen und Munition kämpfen – und kommen durch deutsche Waffen um. Wo ist da der Aufschrei? Fehlanzeige. Im Gegenteil. 


Nach dem Massaker in Las Vegas schnellte der Kurs der Waffenproduzenten kurzfristig in die Höhe, weil viele noch schnell eine Waffe kaufen wollen, falls in den USA doch die längst überfällige Verschärfung des Waffengesetzes kommen sollte. Das ist angesichts der starken Waffenlobby und des irren Rassisten im Weißen Haus ebenso wenig zu erwarten wie Abrüstungs- und Friedensinitiativen


Viel wird über Flüchtlinge geredet. Dabei geht es fast nur um Abschiebungen, selten um Fluchtursachen. Ausnahme sind die Linkspartei und Organisationen wie terres des hommes. 
Heute sind 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt und Vertreibung. Etwa zwei Drittel der Menschen kommen aus nur sechs Kriegsgebieten: aus Syrien, dem Irak, Somalia, Afghanistan, Kolumbien und dem Südsudan. Deutsche Waffen werden in all diesen Konflikten eingesetzt – von staatlichen Armeen ebenso wie von Bürgerkriegsparteien, Terrorgruppen und privaten Milizen. Allein Zehn Millionen Exemplare des G3-Sturmgewehrs von Heckler & Koch sind in mindestens 80 Ländern im Umlauf. Nur die Kalaschnikow ist noch weiter verbreitet. 


Mehr als die Hälfte der deutschen Waffenexporte – Kleinwaffen wie ganze Waffensysteme – gehen mit Genehmigung der Bundesregierung in Länder außerhalb der NATO und der EU, und damit häufig in Kriege und bewaffnete Konflikte. Hinzu kommen illegale Waffenexporte.
Diese und mehr schockierende Fakten haben die Aktiven von terres des hommes und der Deutschen Friedensgesellschaft in ihren aktuellen Kampagnen  zusammenstellt.  Noch mehr wissenswerte Details und die Möglichkeiten aktiv zu werden, finden sie unter: www.stoppt-waffenexporte.de 


Das letzte was jetzt ratsam ist, zwielichtige Regime mit noch mehr Waffen zuzuschütten. Das Resultat wären nur noch mehr Kriege und in deren Folgen noch mehr Flüchtlinge. Zivile Entwicklungshilfe, ob eine Art globaler „Marschallplan“ oder ein bedingungsloses Grundeinkommen in den ärmsten Ländern der Welt, könnten effektiv Fluchtursachen bekämpfen – ohne Waffen. Aber: „Beim Thema Waffenexporte verhalten wir uns nach dem Motto, wie der Soziologe Stephan Lessenich sagt: Neben uns die Sintflut. Wir leben auf Kosten anderer, aber wenn die negativen Folgen zu uns kommen, dann will keiner was davon hören. Dafür geben dann die Rechtspopulisten vor, scheinbar einfache Antworten zu haben“, findet auch Dr. Matthias Quent.

Ein ausführliches Interview mit dem Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft lesen sie hier. 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/politik_im_land/detail/artikel/alle-14-minuten-stirbt-ein-mensch-durch-deutsche-waffen/