13. März 2018

Reißt alle Mauern ein

Gigantische Stimmung beim Konzert im Erfurter Stadtgarten am 10. März.

Während alle Welt vom Rechtsruck faselt, gibt es viele Menschen, die aktiv etwas dagegen tun. In diesem Kampf hat ein gutes Lied mehr Einfluss auf das Denken der Menschen, als jede noch so gut gemeinte Rede von Politikern. 


Wer die Band „Feine Sahne Fischfilet“ noch nicht kennt, sollte schleunigst den Computer anwerfen und sich bei youtube den „Punk mit  Trompeten“, wie es Sänger und Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow nennt, reinziehen. 


Die Mischung aus Punk und Ska ist nicht nur bestens als Partymucke geeignet, sondern glänzt auch durch klare politische Botschaften – Party und Politik sozusagen. In den Liedern geht es um das Drama bei Abschiebungen,  den Kampf um Menschenleben im Mittelmeer oder das Problem drastisch steigender Mieten, um nur mal drei Beispiele zu nennen. 
Die Konzerte, auf denen die Band ihre neues Album „Sturm und Dreck“ präsentierte sind durchweg ausverkauft. Im Erfurter Stadtgarten, wo die Norddeutschen am 10. März gastierten, steppte im wahrsten Sinne des Wortes der Bär. Schon beim ersten Lied geriet das Publikum in volle Eks-tase und sang die Texte lauthals mit. Besonders deutlich bei der Stelle, „wir sind zurück in unserer Stadt und scheißen vor eure Burschenschaft“. Bier, Pfeffi, Bengalos. Das ganze Konzert ist wild, ausgelassen und wunderbar punkig. 


Immer wieder nimmt „Monchi“ in seinen Ansagen Stellung zu aktuellen Themen. Es geht nicht nur um die große Weltpolitik, sondern auch um dem Kampf vor Ort, in der nordostdeutschen Provinz, wo alle Bandmitglieder  herkommen. Oft genug haben sie Stress mit Nazis, aber einschüchtern lassen sie sich davon nicht. In der mecklenburgischen Kleinstadt Jarmen haben sie sogar ein eigenes Festival („Wasted in Jarmen“) auf die Beine gestellt.


Der tägliche Antifaschismus  verbindet sie auch mit der Familie König aus Jena. Bei Lothar in der JG Stadtmitte musste sie kürzlich auf Grund des großen Andrangs gleich zwei Konzerte an einem Abend spielen. Seiner Tochter, die LINKE Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss, der eine Naziband in einem Lied den Tod wünscht, unterstützen sie mit dem eigens für sie komponierten Lied „Angst frisst Seele auf“.

 
Für eine Punkband ungewöhnlich hat FSF auch einige ruhige und nachdenkliche Lieder im Repertoire. Der Stimmung tut das dennoch keinerlei Abbruch. 


Diese Band hat das Potential, noch weit Größeres zu leisten. Stadiontauglich ist sie jetzt schon. Wenn sie nicht abheben oder sich auf den totalen Rock-and-Roll-Selbstzerstörungstrip begeben, können sie noch viel mehr Seelen und Herzen erobern und tat-sächlich – wie besungen – alle Mauern einreißen. 


Am Rande des Auftritts in Erfurt hatte UNZ Gelegenheit, mit Bassist Kai Irrgang und Drummer Olaf Ney zu sprechen. Das Interview lesen sie in der nächsten Ausgabe.                      

th