5. Dezember 2017

Humor – der beste Weg, um Vorurteile abzubauen

Firas Alshater, „bekanntester Flüchtling Deutschlands“ las aus seinem Buch „Ich komm auf Deutschland zu“.

Von Christine Schirmer 

 

Der bekannte Syrer und Youtuber Firas Alshater ist momentan auf Lesetour durch ganz Deutschland und machte am vergangenen Freitag auch Halt in Erfurt. Die Veranstaltung namens „Ich komm auf Erfurt zu“ verdeutlicht schon durch den an Alshaters 2016 erschienener Autobiografie orientierten Titel, dass diese auch live im Zentrum stehen würde. So verwunderte es nicht, dass der Speicher in der Waagegasse, in dem der Auftritt stattfand, brechend voll von interessierten Zuhörern und -schauern war, die sich kurz vor Beginn auch noch vor der Eingangstür drängten, um einen der wenigen letzten Plätze zu ergattern. Firas nahm den Trubel gelassen, man merkte, dass er bereits Erfahrung mit derartigen Situationen hat.


Vor einigen Jahren hätte er vermutlich gelacht, wenn man ihm erzählt hätte, dass er einmal als „bekanntester Flüchtling Deutschlands“ gelten würde. Im Gegensatz zu den meisten Flüchtlingen konnte er Deutschland legal mit dem Flugzeug bereisen, er besaß ein Visum, das ihn zur dreimonatigen Arbeit in Berlin an einer Dokumentation über den Krieg in Syrien berechtigte. Nach dieser Zeit ließ er sich als Flüchtling registrieren, durfte weder arbeiten noch einen Sprachkurs besuchen, doch er gab trotz aller widriger Umstände nicht auf und machte einfach weiter sein Ding – genauso wie zuvor in Syrien. Dort war Firas Alshater, der eine Schauspielschule besuchte, politischer Aktivist, filmte und fotografierte Demonstrationen und gewalttätige Übergriffe gegen Minderheiten, um diese publik zu machen. Trotz mehrmaliger Inhaftierung blieb er in der syrischen Öffentlichkeit, bis er für neun Monate ins Gefängnis kam und dort massiv gefoltert wurde. Nach der Entlassung bot sich ihm die Möglichkeit an der Mitarbeit an dem Dokumentarfilm, die er sofort annahm. Während der Wochen, in denen er offizieller Flüchtling war, nutzte er die Zeit, um weiter an Filmen zu arbeiten. Aus einer spontanen Laune heraus drehte er mit seinem Freund, dem Produzenten, der ihn nach Deutschland eingeladen hatte, das Video „Wer sind diese Deutschen?“, aus dem im Nu eine ganze Reihe sowie ein eigener Kanal namens „Zukar“ entstanden.


Firas Alshater zeigt nicht nur in diesen Videos, sondern auch live, dass Humor der beste Weg ist, um Vorurteile abzubauen, seinen Weg in einer fremden Gesellschaft zu finden und eine schreckliche Vergangenheit zu verarbeiten. Begriffe wie „Integration“ und „Leitkultur“ hinterfragt er, zugleich wurde er bereits von verschiedenen Medien als Musterbeispiel der Integration angeführt. Mit seiner lockeren Art und den vielen interessanten Geschichten und Erzählungen verwundert es nicht, dass er zur bereits zum zweiten Mal in Erfurt stattfindenden Veranstaltungsreihe „Kanakistan“ eingeladen wurde, die dadurch sicherlich ihren Bekanntheitsgrad steigern konnte. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um ein Projekt, das auf humorvolle, oft aber auch sarkastische Art und Weise, Künstlern, die nach Deutschland emigriert sind, eine Plattform bietet. Die Veranstaltungen reichen von Lesungen über Comedy-Shows bis hin zu Poetry Slams, so dass jeder Kulturinteressierte fündig werden wird.


An diesem Abend erfuhr das Publikum sehr vieles, das nicht einmal in Firas Alshaters sehr offener Autobiografie „Ich komm auf Deutschland zu“ zu lesen ist. Mit einem zu Beginn gezeigten Film über seine Vergangenheit und das Ankommen in Deutschland gewährte er sehr private Einblicke in sein Leben. Seine sympathische Art und die ehrliche Begeisterung über seinen Erfolg (und damit die Möglichkeit, Vorurteile in den Köpfen der deutschen Bevölkerung zu beseitigen) machen es schwer, ihm nicht gebannt zu folgen. Er schafft es wie kein anderer, das Publikum zu unterhalten und dabei Einblicke in den Zustand eines vom Krieg zerrissenen Landes zu vermitteln, das ansonsten oftmals nicht genug Beachtung findet.