5. Juni 2018

Ein Mann der leisen Töne

Werner Voigt – 8 Jahrzehnte bewegtes Leben.

Von Regina Pelz 

 

Am 6. Juni feierte einer der langjährigsten Mitstreiter der UNZ seinen 80. Geburtstag: Werner Voigt – 8 Jahrzehnte bewegtes Leben. Die UNZ, die in der Wendezeit als einzige linke Zeitung in Thüringen entstand, musste lernen, sich zu behaupten. Dass sie heute immer noch da ist, ist ein Novum in der Zeitungslandschaft. Ohne die vielen engagierten ehrenamtlichen Mitstreiter wie Werner Voigt wäre das kaum möglich gewesen. Einige Zeit direkt als Journalist in der UNZ beschäftigt, hat er in all den Jahren vor allem als ehrenamtlicher Korrespondent den Leserinnen und Lesern immer wieder zuverlässig Interessantes aus der Kulturszene Thüringens und darüber hinaus berichtet. Viele Schriftsteller, Komponisten oder Theaterschaffende kannte oder kennt er persönlich und hat immer wieder über ihre Arbeit, aber auch über ihre Lebensbrüche, informiert. 


In seinem Buch „Erfurt (war) mal anders“ (2008) legte er Interviews und Artikel mit Künstlern, Theaterleuten, Schriftstellern, Komponisten,  Bildenden Künstlern und Berichte zur Kulturpolitik vor, die manch einer gern vergessen möchte. Ein Journalist mit Haltung eben, dem es nicht um Nostalgie ging, sondern immer um geschichtliche Wahrheit. 


Die Grundlagen für sein kulturelles Wissen hat er in einem staatlichen Kinderheim in Halberstadt erworben, in dem er seit dem 10. Lebensjahr lebte. Mit Singen im Speisesaal begann dort der Tag. Jede und jeder konnte ein Instrument lernen. Werner entschied sich für Violine. Er musizierte, rezitierte, tanzte und spielte  mit den anderen Kindern Theater, verschlang die Bücher in der Heimbibliothek  und war in jeder Beziehung für Kulturelles offen. Warum er dieses Heim als Glücksfall für sein Leben betrachtet, hat er in seinem Buch „Kindheit in Halberstadt“ (2004) eindrucksvoll belegt. Neu war damals auch: Für das spätere Studium war nicht mehr der Geldbeutel der Eltern ausschlaggebend, sondern nur noch der Wille zum Lernen. So verschlug es Werner an die Pädagogische Hochschule in Potsdam. Dort schloss er sich schnell einer Studentenspieltruppe an, die revueartige Programme einstudierte und aufführte – Tucholsky, Brecht, Becher, Fürnberg, Majakowsky, Heiner Müller . . .
Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Lehrer und schloss sich später dem Zirkel schreibender Arbeiter im VEB Weimar-Werk an. Eine gute Grundlage für seinen beruflichen Neubeginn als Journalist,  den er durch seinen Freund Walther Victor bei der Tageszeitung DAS VOLK fand. 


Als Linker setzte er sich unermüdlich für eine friedliche Welt ein, damit seinen Kindern und Enkeln das Leid erspart bleibt, was er als kleiner Junge am 8. April 1945 erdulden musste, als englische Bomberstaffeln seine Heimatstadt Halberstadt zerstörten. Nie wieder Krieg!
Gemeinsames Singen mit seiner Frau Barbara im Volkschor Kromsdorf gehörte viele Jahre für Werner zu seinen wöchentlichen Vorhaben. „Singen bringt Freude und macht den Kopf frei.“ Auch, wenn er heute nicht mehr selbst im Chor singt, so begleitet er immer noch seine Frau zu Proben und Auftritten und ist zur Stelle, wenn seine Hilfe im Chor benötigt wird. 
Von diesem umfangreichen kulturellen Wissen haben auch wir profitiert. Mit seinen regelmäßigen Beiträgen in der UNZ hat er unserer kleinen LINKEN mit seinem klaren Standpunkt ein wichtiges eigenes kulturelles Profil gegeben. 


Werner ist ein Mann der leisen Töne. Seine journalistische Tätigkeit zeichnete sich immer aus durch gründliche Recherche, korrekte, zuverlässige Arbeit, gepaart mit einem feinen Humor. Als sangesfreudiger Vater und Opa liebt er das Leben. 


Wir sagen danke Werner, für dein Engagement, für deine Treue zur UNZ  und wünschen noch viele gute gemeinsame Jahre mit deiner Frau Barbara. Unmittelbar vor seinem RUNDEN hat er sich mit seinem neuen Gedichtband „Hier fand ich meine Liebe“ selbst ein schönes Geschenk gemacht.