8. Mai 2018

Ein bitterkalter 1. Mai

Start der DGB-Demo vor der Erfurter Staatskanzlei.

Demo des Auf-die-Plätze-Bündisses gegen den Naziaufmarsch. Fotos:da/th

Tag der Arbeit in Erfurt. Zunächst schien alles zu sein, wie immer. Aktive aus Gewerkschaften und Parteien gingen für „Gute Arbeit“ auf die Straße. „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“, lautete das Motto. Nach den üblichen Redebeiträgen vor der Staatskanzlei zog die Demo weiter über den Ring zum Anger, wo diverse Stände und ein Rahmenprogramm warteten. Vielen fiel auf, dass deutlich mehr, vor allem junge Menschen, als sonst dabei waren. Doch so schnell wie der Anger geflutet wurde, so schnell leerte er sich wieder. Offensichtlich waren mehrere hunderte Menschen nur kurz bei der DGB-Demo, um sich für den eigentlichen Kampf am ArbeiterInnenkampftag warm zu machen. Denn nicht zum ersten Mal hatten Nazis von NPD und der Partei „Die Rechte“ am 1. Mai einen Aufmarsch in der Landeshauptstadt angemeldet.

Seit Monaten mobilisierte ein Bündnis, um die Nazis „matt zu setzen“. Dazu wurden mehrere Kundgegebungen rund um die Route der Rechtsextremen angemeldet. Unter den Aktiven herrschte im Vorfeld durchaus Zuversicht. Schließlich gelang es schon mehrfach Naziaufmärsche mit friedlichen Sitzblockaden zu verhindern oder zumindest die Route deutlich zu verkürzen. So etwa 2010, 2013 und 2015. Angesichts von um die 2.000 Menschen, die gegen den braunen Ungeist auf die Straße gingen, hätte das auch anno 2018 möglich sein müssen. Pustekuchen. 


Am Spielbergtor versammelten  sich gegen Mittag zunächst nur knapp 100 Rechte. Die Nazis werfen gerne gegen Linke mit dem Begriff „Demotouristen“ um sich. Das trifft aber nur für sie zu, denn erst die u.a. aus Sachsen, Berlin und NRW mit Bussen Angekarrten ließ die Zahl der Teilnehmer am Naziaufmarsch auf über 500 anwachsen. Die Polizei hatte das Areal weiträumig abgesperrt und hinderte sogar einige Journalisten daran, ihrer Arbeit nachzugehen. 
Bis auf einen kleinen Blockadeversuch, der von der Polizei rasch unterbunden wurde, blieben alle brav hinter den Absperrungen. Trotzdem machte sich unter den Antifaschisten entlang der Route zunächst Hoffnung breit, denn den Nazis gelang es nicht, genügend nicht vorbestrafte Ordner zu benennen. 


Die Sonne schien, doch der Wind blies eiskalt, aber geduldig wurde der Dinge geharrt. Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte sich der braune Mob doch noch in Bewegung. Hasserfüllte Fratzen – feixend, geifernd und widerliche Hetzparolen grölend marschierten sie an der Gegenkundgebung vorbei. Total vermummte Gestalten, verfassungsfeindliche Botschafter oder Aufrufe zu Mord und Totschlag waren für die Polizei kein Grund zum Eingreifen. Dies wolle man im Nachgang klären, hieß es lapidar. Bei linken Demos, wie beim Hamburger G-20-Gipfel, sieht die Polizeitaktik ganz anders aus. Das macht wütend, ist aber trauriger Alltag.


Trotz einer weiteren riesigen Kundgebung am Landtag, konnten die Nazis ihre Route bis zum Bahnhof praktisch ungehindert fortsetzen. Das ist doppelt bitter. Nicht nur, weil das in Erfurt schon mehrfach ganz anders war, sondern auch weil genügend Menschen auf der Straße waren, um den Triumph der Nazis zu verhindern. So einen langen Marsch wie an diesem 1. Mai konnten sie seit 15 Jahren nicht mehr laufen. 

Es bleibt nur zu hoffen, dass für die vielen junge Leute mit T-Shirts wie „Kein Mensch ist illegal“ oder der Punkband Feine Sahne Fischfilet, diese Niederlage Ansporn ist, es beim nächsten Mal besser zu machen. Das Potential – und das ist das Positive – ist auf jeden Fall vorhanden. Aus solchen Niederlagen kann und muss man lernen. Bis dahin bleibt der ArbeiterInnenkampftag 2018 als bitterkalter 1. Mai in Erinnerung.            

th