8. August 2017

5000 Jahre Kultur

Die Bühne im einzigartigen Weidenrutenpalast ist eine der vielen Besonderheiten beim Auerworld Festival. Foto: th

Festivals unterschiedlicher Couleur gibt es in Thüringen wie Sand am Meer. Musikalisch abwechslungsreich, eint alle ein Problem: Am Ende stehen die Veranstalter vor einem riesigen Berg Müll.  In dem  kleinen Örtchen Auerstedt findet seit fast zwei Jahrzehnten ein Event statt, das nicht nur in dieser Hinsicht ganz andere Wege geht. 
Schon die Bühne beeindruckt beim ersten Gang über das Gelände am letzten Juliwochenende. 
Sie befindet sich im malerischen Weidenrutenpalast, den die Aktivisten der 1. Stunde 1998 gebunden haben und der in jedem Frühling vom Architekten Marcel Kalberer und seiner Baukunstgruppe „Sanfte Strukturen“ eine neue „Frisur“ bekommt. Sie orientieren sich dabei an den ältesten Bauweisen der Menschheit, wie sie seit 5000 Jahren in Mesopotamien bekannt sind.
Alles begann damit, dass sich dort einige Straßenmusiker mit ein paar Kis-ten Bier versammelten. Über die Jahre wuchs das Fest. Einige Zeit war es komplett kostenlos. Später ging man den modernen Weg des Crowd Fundings. Letztes Jahr musste das Fest wegen der Überflutung des Geländes abgesagt werden. Auch, um der Natur auf der Fläche ein wenig Erholung zu gönnen entschieden sich die Veranstalter in diesem Jahr, die Zahl der Gäste auf 500 zu begrenzen. Tickets gab es zum selbst gewählten Solidarpreis, der allerdings im Schnitt bei über 30 Euro lag. 
Auf dem Festival selbst herrscht eine ruhige und besonders entspannte Stimmung vor. Die Angebote unterscheiden sich deutlich von dem sonst üblichen Kommerztrubel auf Festivals.
Besonders auffällig sind die vielen jungen Familien mit kleinen Kindern. Gerade für sie wird einiges geboten: Naturführungen, das Selbermachen von Zahnpasta, es gibt einen Umsonstladen, Brillen aus Holz, Informationen über die dramatischen Zustände in den Flüchtlingslagern und überhaupt ein buntes Gemisch der Nachhaltigkeit und der Progressivität. 
Abends herrschte im Weidenrutenpalast bei Bands wie Crepe Suzette oder Tagamea ausgelassene Stimmung. 
Wo auf anderen Festivals Fast Food und Berge von Plastikmüll die Szenerie beherrschen, muss man an den Essensständen seinen eigenen Teller mitbringen. Oder  man genießt eine Pizza aus dem frisch gezimmerten Lehmofen einfach auf einer mit Bienenwachs behandelten Baumscheibe. Nachhaltigkeit wird überall groß geschrieben. 
Das schätzen offenbar auch die Anwohner Auerstedts. Sie haben freien Eintritt und sind vom Auerworld begeistert. 
Den Macherinnen und Machern kann man für die nächsten Jahre nur alles Gute und möglichst viele Nachahmer wünschen.