23. April 2014

Es muss nicht immer „Nordsee“ sein

Aus dem Wasser auf den Teller.

Frisch-Fisch und sogar Kaviar aus Thüringer Produktion im Erfurter Kressepark.

Fisch und Erfurt sind zwei Paar Schuhe, die nicht so recht zusammen passen wollen. Doch, wie so oft im Freistaat: Es ist alles da, nur die Mehrheit kann oder will davon nichts wissen. Die Läden der großen Kette „Nordsee“, die sich auch in Thüringen mit hohen Preisen, teils fragwürdiger Qualität und nicht unbedingt gesicherter Nachhaltigkeit breit machen, kennt dagegen fast jeder. Dass man frischen und geräucherten Fisch, Fischsuppe und sogar Kaviar aus Thüringer Produktion im Erfurter Kressepark, am Fuße des Steigerwalds, erwerben kann, ist dagegen längst nicht so bekannt.  

Seit 2010 leitet Florian Funkel (Foto) den Hoflanden, seit einem Jahr ist er selbstständig und kann mit Fug und Recht behaupten, dass vom Ei an in Thüringen produziert wird: „In Schaala bei Rudolstadt produzieren wir die Eier im frischen Quellwasser, was optimale Bedingen bietet. Wenn die Fische die richtige Größe erreicht haben, werden sie nach Themar gebracht und bis zur Speisefischgröße gefüttert. Einige der kleinen Fische werden zudem in Erfurt ausgesetzt.“  

 

Eigentlich ist Fisch noch viel zu günstig

 

Leicht ist es jedoch nicht für ein kleines Unternehmen, denn anders als bei Geflügel oder Schwein dauert es bei Salmoniden (Forelle und Co.) bis zu zwei Jahre vom Ei bis zum Speisefisch. So entstehen vergleichsweise hohe Energie- und Personalkosten, die ein Unternehmer wie Florian Funkel erst mal vorschießen muss, bis er etwas daran verdienen kann.  „Wenn man sich anschaut, was alles dahinter steckt, ist Fisch eigentlich noch viel zu günstig. Außerdem muss man bedenken, dass wir alles frisch machen, das Fischbrötchen individuell nach Kundenwünschen belegen oder einen Fisch auch extra filetieren“, erklärt der Inhaber des Hofladens, der sein Unternehmen aber auf einem guten Weg sieht. Auch vor dem viel diskutierten Mindestlohn hat er keine Angst, denn den bekommen seine Mitarbeiter. 

 

Deutsche geben Geld lieber für teure Autos als für gute Lebensmittel aus

 

In Zeiten, in denen Europas Küsten schon fast leer gefischt sind stellt sich die Frage, wie man zukünftig eine Versorgung mit dem gesunden Lebensmittel Fisch für alle und zu bezahlbaren Preisen sicher stellen kann. Statt Pangasius aus Südostasien, der meist in einer unappetitlichen Brühe aus eigenen Exkrementen und Antibiotika aufwächst, erscheint eine frische Forelle als weitaus bessere Alternative – geschmacklich, politisch und bei genauer Betrachtung auch preislich. Doch leider ist in Deutschland noch immer die Mentalität verbreitet, sein Geld für das teure Auto oder das neueste Handy auszugeben, anstatt für gesunde Lebensmittel, findet auch Florian Funkel. 

Umso besser, dass immer mehr Schulklassen den Hofladen besuchen. So könnte man zuerst im Steigerwald etwas über Bäume, Bärlauch oder Pilze erfahren, dann geht es zum Sport in den Kletterpark, der sich ebenfalls im Kressepark befindet. Zum Abschluss gibt es Wissenswertes über die Anatomie eines Fisches, der anschließend verspeist werden kann. Selbst Vegetarier können mit Algensalat, Erfurter Brunnenkresse oder hausgemachten Senf auf ihre Kosten kommen. Wer an den nächsten Feiertagen keine Lust auf Fleisch hat, aber es lieber etwas ausgefallener mag, kann ebenso auf seine Kosten kommen, denn es gibt auch Rotbarsch, Saibling oder Aal. Die kommen zwar (noch) nicht aus regionaler Produktion, werden aber in Erfurt geräuchert. 

Und wer weiß, was noch möglich ist: In Schkölen gibt es schon eine afrikanische Welszucht und vielleicht kommt ein findiger Unternehmer demnächst auf die Idee, Tintenfische oder gar Hummer zu züchten. Da könnten unsere gut betuchten Mitbürger ihr Geld besser anlegen, als in das nächste „Super Unnötige Vehikel“.               

Thomas Holzmann