29. Juli 2014

Erfurts Neuentdeckung der Kultur

"Kultur flaniert": Impressionen vom "kunterbunten Festplatz der Soziokultur“ am 19. Juli.

Fotos: Alexander Manhardt

Wenn es um Kultur geht, kann die Stadt Erfurt im Vergleich zu Weimar oder Jena, vor allem gemessen an den Möglichkeiten, nicht wirklich mithalten. Jahreshöhepunkte wie die bourgeois-dekadent anmutenden Domstufenfestspiele oder der unvermeidlich klingelnde und rasselnde Weihnachtsmarkt sind nicht gerade Beispiele für eine bunte nonkonformistische Kulturszene. Seit der Räumung des besetzten Hauses vor mehr als fünf Jahren war für weite Teile der Öffentlichkeit praktisch keine alternative Kulturszene mehr sichtbar. 

Doch das scheint sich gerade nachhaltig zu verändern. Verschiedenste Projekte wie die beiden Wächterhäuser (UNZ berichtete), der Verein Klanggerüst e. V. oder der urbane Stadtnaturgarten „Lagune“ sind dabei sich zu vernetzen und bereiten gemeinsame Aktionen vor. So am 19. Juli als unter dem Motto „Hereinspaziert – Kultur flaniert“ insgesamt 16 Projekte ihre Tore für „einen kunterbunten Festplatz der Soziokultur“ öffneten.  Viele junge Menschen mit kreativen Ideen und guter Laune allerorten. Und für Erfurt besonders wichtig: Es waren keine Nazis weit und breit zu sehen! 

Unter facebook.com/kulturflaniert können Sie sich ein Bild über die vielen einzelen Projekte machen, die hier nicht im Detail vorgestellt werden können. 

Ein Projekt sei hier aber besonders gewürdigt. Bereits erstmals bei der Fête de la Musique am 21. Juni wurde die Brücke an der Trommsdorfstraße, direkt am Ring, zum Stadtstrand umfunktioniert (Foto oben rechts). Mit dem Rauschen der Gera, einem wasserfallartigem Wehr vor dem Hintergrund eines Gewirrs aus Brücken und Tunneln wirkt dieser Ort wie ein surreales Gemälde, das Industrie und Natur vereinen will. Nach dem am 21. Juni zur Musik auf einer extra über der Gera errichteten Fläche das Tanzbein geschwungen wurde, gab es diesmal einen selbstgedrehten Film mit Live-Handpuppen-Kommentar zu sehen – oder so ähnlich. Diesem Ort, wie auch den vielen anderen kleinen Projekten kann man nur viel Erfolg und Schaffenskraft wünschen, und vor allem, dass die Amtsschimmel das Wiehern unterlassen und brav im Stall bleiben.

 

Thomas Holzmann

Fotos: Alexander Manhardt