26. März 2014

Das Feuer entfacht: Politik und Kultur bei Newroz

Fotos: Red Foxx

Seit Jahrtausenden feiern die iranischen Bevölkerungsgruppen und viele Menschen im Mittleren Osten am 21. März „Newroz“. Zum einen als Neujahrstag  zum anderen als Symbol des Widerstands gegen Unterdrückung. Bedeutung hat Newroz vor allem für KurdInnen. Auch deshalb hat der Kulturverein Mesopotamien am 21. März Newroz in Erfurt zum zweiten Mal in Folge groß gefeiert.

Am Hauptbahnhof begann eine Demonstration, die zum Domplatz führte. Bei mehreren Kundgebungen wurde auf die aktuelle Unter-     drückung der Kurdinnen und Kurden durch den türkischen Staat die deutsche Unterstützung für diese Repressionspolitik eingegangen. Besonders betont wurde, dass in den letzten Wochen der Verfassungsschutz viele engagierte KurdInnen  einzuschüchtern versuchte.

Außergewöhnlich waren die sechs Grußbotschaften verschiedener Organisationen, bei denen der zeitgleich stattfindende „Internationale Tag gegen den Rassismus“ thematisiert wurde. Das zeigt die Akzeptanz des Kulturvereins Mesopotamien in Erfurt und Thüringen.

Viele Parolen rufend und von einer lauten Trommel begleitet liefen die bis zu 200 Menschen durch die Innenstadt und forderten Frieden in Kurdistan, den Stopp der deutschen Waffenlieferungen an die Türkei und die Aufhebung des PKK-Verbots.

Am Domplatz stieg die Zahl der Menschen schnell auf 300. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde das Newroz-Feuer entfacht und es wurde begonnen, um das Feuer in einem großen Kreis zu tanzen. Menschen verschiedenen kulturellen Hintergrunds versammelten sich um das Newroz-Feuer, welches eine ganz besondere Ausstrahlungskraft hatte.

Bereits am Nachmittag hatte auch die Linksfraktion zu ihrem ersten Newroz-Empfang in den Landtag eingeladen. Unter den Gästen waren Mitglieder des mesopotamischen Kulturvereins Erfurt, des Landesflüchtlingsrates und Vertreter der Grünen und der SPD.

Fraktionsvorsitzender Bodo Ramelow betonte  wie wichtig es ist, Weltoffenheit im Alltag zu leben und kulturelle Vielfalt als einen großen Schatz zu begreifen. „Wer will, dass die Welt friedlicher wird, der muss sich zu kultureller Vielfalt bekennen“, so der LINKE-Politiker.

Prof. Ferhad Seyder, Leiter der Mustafa-Barzani-Arbeitsstelle für Kurdische Studien an der Universität Erfurt, warnte mit Verweis auch auf die etwa eine Million kurdischen Emigranten in Deutschland vor einer Tabuisierung der Kurdenfrage. Er hoffe auch in der Zukunft auf eine weitere Unterstützung für die Fortführung der Professur über das Jahr 2017 hinaus. Sein Mitarbeiter Dr. Lokman Turgut sprach über die Herkunft und Bedeutung des Newroz-Festes. Traditionelles Essen, zubereitet vom Kulturverein, und die ergreifenden Klänge der Gruppe „Koma Aberna“ rundeten diese besondere Veranstaltung ab.

 

Ercan Ayboga