26. August 2014

Weg vom Standardprogramm

Von skurrilen Skulpturen aus den unterschiedlichsten Materialien bis hin zu Graffiti und Live-Musik wurde beim Kunstrasen drei Tage auf einer Erfurter Brachfläche eine bunte Vielfalt unterschiedlichster Stilrichtungen frei von Kommerz dargeboten.

Jenseits von Domstufenfestspielen, ega-Lichterfest und Weihnachtsmarkt-Brimborium hat sich in Erfurt eine alternative und bunte Kultur-szene entwickelt. Ein noch recht junges Projekt ist der Kunstrasen, der vom 8. bis 10. August am Wasserturm, etwa 15 Fußminuten vom Hauptbahnhof, stattfand. Der Veranstalter, der Verein Gesamt Kunst Kraft Werk (GKKW), sieht sich „als Plattform für Künstler, auf der sie sich präsentieren können. Es ist kostenlos, keiner muss etwas bezahlen“, erklärt Anja Nottrodt, die sich um die PR des Vereins kümmert. Das nutzen vor allem junge Künstler aus der Region. So gibt es nicht nur Bilder und Skulpturen aus Sand oder Holz zu bestaunen, sondern auch dampfspeiende Monster, übergroße Spinnen und eine Graffiti-Wand. Den über 1.000 Besuchern schien es zu gefallen, und so wechselten etliche Kunstwerke bei einer Auktion die Besitzenden. 

Der Kunstrasen wurde zudem durch mehrere regionale Bands musikalisch untermalt, was den breit gefächerten Kunstbegriff der Veranstalter verdeutlicht. „Wir wollen weg vom Standardprogramm am Wochenende“, sagt Anja Nottrodt mit Blick auf die sonst etwas tristen landeshauptstädtischen Wochenend-Gestaltungsmöglichkeiten.

Dazu steht der gemeinnützige Verein auch anderen Ideen aufgeschlossen gegenüber. So kam die Santana Revival-Band „Havana Moon“ auf die Idee, zum 45-jährigen Woodstock-Jubiläum eine Hommage an das Hippie-Festival zu veranstalten. 300 Menschen kamen am 16. August, um in Erinnerungen von Hendrix bis Flower Power zu schwelgen. Für den 30. August ist die nächste Veranstaltung geplant: ein Sportfest der etwas anderen Art mit Slack-Wrestling und Tauziehen (www.sportfest-erfurt.de). Dafür stellt das Team vom GKKW die Fläche anderen Aktiven, die sich um die Organisation solcher Veranstaltungen kümmern, gerne zur Verfügung.   

Das Gelände am Wasserturm, auf dem sich auch verfallene Schulgebäude befinden, hat der Verein günstig von der Stadt gemietet. „Offenbar ist die Stadtverwaltung mit dem, was sich seit 2010, als der erste Kunstrasen als Projekt des Fachschaftsrates der Erfurter Kunst-Universität startete, sehr zufrieden“, schätzt Anja Nottrodt ein. Immerhin kümmern sich die 37 Aktiven des 2011 gegründeten Vereins um die Pflege des Geländes. Lediglich die Absicherung der Gebäude bereitet Kopfzerbrechen – hier wünscht man sich von der Stadt noch etwas mehr Einsatz. Mit der bisherigen Entwicklung ist man beim Verein aber sehr zufrieden. „Noch mehr zu tun, wird schwierig, weil alle ehrenamtlich arbeiten und die Zeit nicht reicht“, so Anja Nottrodt.

 Weiter wachsen muss das Projekt auch gar nicht, denn sonst besteht die Gefahr, dass es kommerziell wird. Zwar geht es den Machern nicht um Politik, aber für das Thema Nachhaltigkeit setzt man sich gerne ein. „Es muss nicht immer Bratwurst sein“, betont Anja Nottrodt. Zu Recht: eine gesunde Tomatensuppe aus der Region, wie sie beim Kunstrasen kredenzt wurde, tut es auch. Solchen Projekten, die im grau-braunen Erfurter Alltag weit mehr als nur ein Farbtupfer sind, kann man nur viel Erfolg und möglichst viele Nachahmer wünschen.       

Thomas Holzmann