23. September 2014

Strandgut mitten in der Stadt

Oase und Freiraum: Am Flutgraben hat sich in Erfurt ein kleines, aber feines Veranstaltungszentrum entwickelt, das mehr als nur ein wohltuender Farbtupfer in der Landeshauptstadt ist. Fotos: Michael Seeber, th

Erstmals bei der Fête de la Musique am 21. Juni hatten sich einige Aktive die Mühe gemacht, unter der Brücke über den Flutgraben an der Trommsdorffstraße ein Konzert zu organisieren. 

Es hat sich eine äußerst bunte Truppe zusammengefunden, die einen Freiraum, eine kleine Oase, mit dem Namen Strandgut entwickelt hat. Zu dem illustren Team gehören u. a. der Musiker Werner Brunngräber, der Landschaftsarchitekt Thomas Schmidt und die Designerin Carmen Bergmann sowie eine ganze Reihe weiterer nicht nur äußerst kreative, sondern auch überaus fleißige Köpfe und Hände.

Nach dem Erfolg bei der Fête, als extra über der Gera eine Tanzfläche und Brücke errichtet wurde, gab es noch weitere Veranstaltungen: Filmabende, Flohmarkt und Musik aus unterschiedlichster Richtung. Electro- beats, begleitet von einem Saxophon, sind dabei so außergewöhnlich wie der Veranstaltungsort und die Menschen, die sich dort treffen. Die Atmosphäre lässt sich mit einem kommerziellen Ort der Freizeitgestaltung überhaupt nicht vergleichen. 

Selbst die Polizei, die wegen einer Beschwerde über Lärm anrückte, gab sich äußerst freundlich und ließ die Party, nach dem der Geräuschpegel zu fortgeschrittener Stunde umstandslos gedrosselt wurde, ohne weitere Maßnahme weiterlaufen. Offenbar scheint sich auch bei den Behörden schon herum gesprochen zu haben, dass am Strandgut stets alles entspannt und friedlich abläuft. 

Selbst ohne Live-Musik oder andere kulturelle Umrahmung lohnt sich eine Stippvisite. Der malerische Blick auf das wasserfallartige Wehr am Flutgraben, vor dem Hintergrund eines Gewirrs aus Brücken und Oberleitungen des nahen Bahnhofes, wirkt beinahe wie ein  Gemälde. 

Am 14. September fand die voraussichtlich für dieses Jahr letzte Veranstaltung statt. Doch man darf schon gespannt sein, was sich Macherinnen und Macher noch einfallen lassen. Ansätze, wie das „Urban Gardening“, sind bereits im Gespräch. Einziger Wermutstropfen: Der erste Versuch fiel Vandalen zum Opfer, deren sinnlose Zerstörungswut weder vor Pflanzen noch vor aus Europaletten gezimmerten Sitzmöglichkeiten halt machte. Davon lassen sich die Aktiven aber in ihrem, für Erfurter Verhältnisse geradezu revolutionären Tatendrang, kaum abhalten. Weiter so und bitte nachmachen!                    

th