26. August 2014

Landolf Scherzer: Wie ist es in Deutschland mit der Solidarität?

Er ist kein Leichtgewicht, der Schriftsteller Landolf Scherzer. Er hat den Menschen etwas zu sagen und lässt sie selber reden. Vor allem, er kann zuhören. Er wagte sich an komplizierte Themen und nahm auch in Zeiten der DDRührenden Genossen herlaufen und alles aufschreiben kein Blatt vor den Mund. Sein Buch „Der Erste“ schlug  hohe Wellen im Parteiapparat. Darf der das? Wochenlang neben einem führenden Genossen herlaufen und alles aufschreiben? Landolf Scherzers Bücher gelingen durch seine ungewöhnliche Art zu recherchieren. Das Buch „Der Erste“ kam als Stück und Uraufführung über die Bühne des Erfurter Schauspielhauses. Die Karten waren heiß begehrt.

Am 20. August war der Thüringer Schriftsteller Gast bei Bodo Ramelow und Karola Stange in einer Bürgerveranstaltung im Erfurter Stadtteil Moskauer Platz. Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Scherzer las Teile aus seinen vielen Geschichten.

Die Frage: „Was lassen sich die Menschen im realen Kapitalismus noch alles gefallen?“ rückte in den Mittelpunkt der Veranstaltung. Landolf Scherzer besuchte erst vor kurzer Zeit Griechenland und stellt fest, dass die Lebensbedingungen unerträglich wurden, aber die Solidarität und der Widerstandswille der Menschen zunehmen. Wir müssen uns fragen: Wie ist es in Deutschland mit der Solidarität bestellt? Nicht nur Scherzer ist in vielen Fragen ratlos geworden. Welche Möglichkeiten haben wir, den neoliberalen Kräften Einhalt zu gebieten?

Sein Griechenlandreport wird von allen Medien totgeschwiegen. Die Frage nach den Gründen kann sich jeder beantworten, der dieses Buch gelesen hat. 

Scherzer las auch eine vor zehn Jahren geschriebene und autorisierte Kurzbiografie über Bodo Ramelow vor und erzeugte einige Heiterkeit. Inzwischen dichtet ein Journalist der TA eine neue Biografie über den Spitzenpolitiker  zusammen, auf das dieser im Wahlkampf Schaden nehme. Diese Thüringer Allgemeine ist das Organ der Bourgeoise. 

Wahlkampfveranstaltungen dieser Art erfreuen sich eines großen Zuspruchs. Wer andere zu Wort kommen lässt und zuhören kann, der bekommt Zustimmung – auch beim  Bier und der Thüringer Bratwurst.

 

Uwe Pohlitz