10. September 2014

Ergreifende Theaterarbeit voller doppelbödiger Transparenz

Eröffnung des 25 Weimarer Kunstfestes durch die „Disco Power Band“. Sie animierten die Gäste zum Tanzen und Mitsummen.

„Ganesha gegen das Dritte Reich“: eine indische Gottheit mit Elefantenkopf, reist 1943 nach Nazideutschland, um die Swastika, ein altes hinduistisches Symbol, zurückzuerobern.

Das Kunstfest Weimar, Mitteldeutschlands größtes Festival für zeitgenössische Künste fandn diesem Jahr zum 25. Mal statt, gegründet als eine der ersten deutsch-deutschen Kulturinitiativen vor der Wiedervereinigung im Sommer 1990. Vom 22. August bis 7. September standen 20 Produktionen mit 43 Vorstellungen auf dem Programm. Neues Team, frisches Design und ein vielfältiges Rahmenprogramm ließen die zwei Wochen zu einem echten Kunst-FEST werden. Künstler aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz bestritten das bunte Eröffnungsspektakel. Die französische Straßentheater-Gruppe „Histoire de Famille“ läutete den Festivalauftakt musikalisch ein. Sie zogen mit ihrer „Disco Power Band“ und schrillbunten Kostümen am Nachmittag durch Weimar und animierten Einwohner und Gäste zum Tanzen und Mitsummen. Auf ihrem Parcours in Richtung Theaterplatz spielten sie Hits und Klassiker aus der Disco-Ära. 

Das von Holzhauers Vorgängerin Nike Wagner initiierte Auftaktkonzert „Gedächtnis Buchenwald“ gibt es nicht mehr. Stattdessen wird es jedes Jahr eine andere künstlerische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime geben. Den Auftakt dazu machte das australische Back to Back Theatre mit seinem Stück „Ganesha gegen das Dritte Reich“ als einziges Deutschland-Gastspiel. In diesem Stück werden zwei Erzählstränge mit einander verknüpft. Ganesha, eine indische Gottheit mit Elefantenkopf, reiste 1943 nach Nazideutschland, um die Swastika, ein altes hinduistisches Symbol, zurückzuerobern. Parallel dazu wird durch eine Gruppe von Schauspielern dargestellt, wie diese Geschichte auf die Bühne zu bringen ist. Darsteller und Regisseur verstricken sich in hitzige Diskussionen und Widersprüche über die Rollenverteilung, die eigene Verantwortung beim Geschichtenerzählen und über Macht- und Kontrollmechanismen innerhalb unserer Gesellschaft. Dieses Theater zählt heute zu den international erfolgreichsten Theatergruppen Australiens und besteht überwiegend aus geistig behinderten Künstlern. „Ganesha gegen das Dritte Reich“ ist eine mutige, intelligente, entwaffnende und ergreifende Theaterarbeit voller doppelbödiger Transparenz. 

 

Fotos und Text: Reiner von Zglinicki