21. Oktober 2014

„Der Westen darf nicht mehr zuschauen“

Solidarität mit Kobane: Mit vielfältigen Aktionen, darunter eine Theateraufführung, prangerten Jugendliche den Terror des IS an.

Zu den Aktionen, die u.a auch in Jena und Weimar stattfanden, gehörte eine zweitägiger Hungerstreik. Fotos: Kulurverein Mesopotamien

Mehr als 150 Menschen kamen am Nachmittag des 7. Oktobers am Hauptbahnhof zu einer Kundgebung zusammen und das, obwohl der  Kulturverein Mesopotamien und viele andere engagierte Menschen erst am Vormittag des gleichen Tages, als das Vordringen der IS-Truppen auf die Stadt Kobane in Nordsyrien bekannt wurde, dazu aufgerufen hatten.  

Mit Kerzen wurde zunächst der Name der Stadt Kobane symbolisch dargestellt. „Kobane ist für uns das Symbol der Freiheit und Demokratie in Syrien, das vom Krieg gebeutelt wird. Es wäre eine menschliche und politische Tragödie, wenn die IS-Terroristen die Stadt einnehmen. Deshalb muss jede Demokratin und jeder Demokrat auch in Thüringen dagegen aktiv Position beziehen“, sagte die Ko-Vorsitzende des Kulturvereins Mesopotamien, Nazli Hasan, die selbst aus Syrisch-Kurdistan stammt und deren Sohn zur Zeit in Kobane kämpft.

Anschließend wurde von Jugendlichen ein kurzes Theaterstück aufgeführt, mit dem die Barbarei des IS angeprangert wurde. Zum Abschluss des improvisierten Stückes wurde ausdrücklich gewarnt, dass der IS-Terror bald auch in Deutschland wüten könnte.

Der Vorsitzende des Kulturvereins, Ercan Ayboga, forderte die deutsche Politik auf, sofort größten Druck auf die Türkei auszuüben, damit jede Art von Hilfe nach Kobane kann, denn die Türkei blockiere bis jetzt alles. Der Westen dürfe dabei nicht mehr zuschauen, so Ercan Ayboga. 

Katharina König, Abgeordnete der LINKEN im Thüringer Landtag, kritisierte zudem das Verhalten der Thüringer Landesregierung wegen der Beobachtung des Kulturverein Mesopotamien durch den Verfassungsschutz.

Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der LINKEN, betonte, dass die abendländliche Kultur ihren Ursprung im Mittleren Osten hat und diese gerade zerstört wird. Ausserdem wandte er sich gegen das PKK-Verbot in Deutschland.

Am 9. Oktober begann ebenfalls auf dem Bahnhofsvorplatz ein zweitägiger Hungerstreik des Kulturvereins Mesopotamien. Sechs Menschen wollten auf den drohenden Massenmord in  Kobane aufmerskam machen und die Politik zum Handeln auffordern. 

Der Pavillon der Hungerstreikenden wurde die ganze Zeit gut besucht. Viele informierten sich und solidarisierten sich mit den Forderungen. Es gab rege Diskussionen über Hintergründe und Handlungsoptionen. Die Hungerstreikenden und Besucher sangen sogar gemeinsam  in Begleitung von Musikinstrumenten.

www.mesop-erfurt.org