8. Dezember 2014

Liebeserklärungen eines Thüringers an Erfurt

Arzt, Schriftsteller und Verleger: Dr. Dietmar Beetz feierte am 6. Dezember seinen 75. Geburtstag.

Der Thüringer „Wäldlersproß“ (so nennt er sich bescheiden und selbstbewußt in seinem autobiografisch grundierten Buch „Kaleidoskop in b.“, 2008) hatte Anfang Dezember ein Jubiläum: 75.

Zwar lebt er schon über 50 Jahre in Erfurt, doch seine Wurzeln finden sich in dem kleinen Ort Neustadt am Rennsteig. Kaum vorstellbar für ihn, als Kind, dass ihn des Lebens Wogen mehrfach bis über den Nord- und Südatlantik und in etliche Länder Afrikas tragen würden.

Dr. Dietmar Beetz ist Arzt, Autor, Poet und seit gut 15 Jahren auch Buchverleger (Edition D.B. Erfurt). Als Kind eines Malermeisters in einer kleinbäuerlichen Familie, lese- und erlebnishungrig, ergreift er zeitig die großzügigen Bildungschancen der neuen Gesellschaft nach 1945 im Osten Deutschlands, besucht die Oberschule, studiert Medizin in Leipzig und Erfurt (1957-1963). Die musische Frohnatur mütterlicherseits führt ihn nebenher in eine andere Richtung, auf poetische Wege.

Sie leiten ihn später in einen heftigen Zwiespalt: Wie nun? Arztsein oder Schriftsteller werden?

Behutsam und psychologisch vorsichtig sezierend beschreibt Beetz diese schwierige Weichenstellung Anfang der siebziger Jahre. Faszinierend für den Leser von „Kaleidoskop in b.“, wie er mit äußerster Ehrlichkeit und selbstkritisch Tatsachen und Ereignisse seines Lebens durchleuchtet,  Selbsterkundungen eigener Arbeiten. Bestandteile, wenn man so will, der erlebten DDR-Geschichte.

Aufsehen erregte Beetz' Liebeserklärung an Erfurt „Dasein in dieser Stadt oder Juveniles über E.“ (1970), eine Reportage. Ihr folgten 1971 „Arzt im Atlantik“, ein Briefroman, „Blinder Passagier für Bombay“ (1974), ein Jugendbuch, sowie „Visite in Guinea-Bissau“ (1975) und der Lyrikband „Skalpell und Sextant“ (1977). Er erhielt den Louis-Fürnberg-Preis für hoffnungsvolle Nachwuchsautoren, wird Mitglied im Schriftstellerverband der DDR. Aber es wachsen auch persönliche Zweifel, Diskussionen.

 

Widerstände

 

Die 80er Jahre werden schwieriger, es erscheinen von ihm überwiegend Bücher über die jahrhundertelange koloniale Unterdrückung und Versklavung afrikanischer Völker wie z.B. „Späher der Witbooi-Krieger“, „Malam von der Insel“, „Oberhäuptling der Herero“, „Labyrinth im Kaoko-Veld“, „Flucht vom Waterberg“ und andere. Ihnen liegen eigene Afrikaerlebnisse und gründliche geschichtliche Studien zugrunde.

Nach 1989 entdeckt Beetz die japanische Versform Haiku für sich und bringt allein in den letzten 15 Jahren über 25 Bände „Haikus und andere Sprüche“ auf den Markt. Es sind satirisch pointierte Beobachtungen und Meinungen zur Welt nach 1989, gnadenlos bissig. Als „Einspänner“ und Verleger von Autoren, die ihm geistig und literarisch nahestehen, ediert er neu Wolfgang Helds  „ ... auch ohne Gold und Lorbeerkranz“ und erste Bücher von neuen Autoren, z.B. mein „Kindheit in Halberstadt“ (2004). Er ließ bei allen Titeln höchste Sorgfalt walten und gestalterische Ideenvielfalt, mit Respekt vor wagemutigen Anfängen.

Die tiefe Verbundenheit mit Erfurt spiegelten die Verleihung des Kulturpreises der Stadt Erfurt 1987 an Beetz wie auch die Verleihung des Literaturpreises der Bundesärztekammer im Jahre 1998 wider – für die Vielfalt und Beliebtheit seiner Kriminalromane und -erzählungen wie etwa „Mord am Hirschlachufer“ (1982), „Gift für den Chefarzt“ (1987) und „Der Alte und das Biest“ (1998), um nur einige zu nennen.

Als Urgroßneffe des Schriftstellers und Pädagogen Karl Otto Beetz: (1859-l940) brachte Dietmar Beetz eine höchst interessante Reprint-Ausgabe des Titels „Das Leben Jesu“ in seinem Verlag heraus, versehen mit einem Nachwort aus der Sicht unserer Tage. Ein sehr lesenswerter Beitrag zur „Ahnenforschung“! Ich kann, mit Verlaub, dieses Buch allen heutigen Christen und Atheisten nur empfehlen. Es sollte in den Stadtbibliotheken nicht fehlen. Denn leider haben einige allgemein zugängliche Stadtbüchereien in den letzten zwei Jahrzehnten viele Titel von DDR-Autoren „entsorgt“. Das ist meines Erachtens recht töricht.

 

Werner Voigt