8. Dezember 2014

KulturRiese geht nach Altenburg

Der Förderverein Zukunftswerkstatt Paul-Gustavus-Haus erhielt den diesjährigen Förderpreis für Soziokultur in Thüringen.

Zum Programm gehörte ein „KulturLEERgang“, durch leerstehende Gebäude und somit potenzielle Kulturorte Altenburgs, wie das Josephinum. Potenziale beüglich der Nutzung, auch für kulturelle Zwecke, wurden angeregt diskutiert. Fotos: Daniel Grohmann

Am  14. November  wurde erneut der Förderpreis der Soziokultur in Thüringen – der KulturRiese vergeben. Der mit 1.111,11 Euro dotierte Preis weist auf beispielhaftes Engagement oder besondere Leistungen in der Soziokultur und ihren Randbereichen in Thüringen hin. In diesem Jahr erhielt den Preis der engagierte Altenburger Förderverein Zukunftswerkstatt Paul-Gustavus-Haus.

 Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Thüringen, Stifterin des Preises, zeichnete den Verein aufgrund ihres vorbildlichen Engagements aus, eine ehemalige und denkmalgeschützte Malzkaffeerösterei zu einem soziokulturellen Ort zu entwickeln und damit alternative Nutzungsmöglichkeiten für dieses wunderschöne Baudenkmal in zentraler innerstädtischer Lage aufzuzeigen. Trotz schwieriger Umstände beweisen sie, dass es durch Eigeninitiative, frische und unkonventionelle Ideen und einem intergenerativen Ansatz gelingt, sein Umfeld aktiv mitzugestalten, identitätsstiftend und imagebildend für seine Stadt zu wirken sowie breite Bevölkerungsschichten einzubeziehen.

Die Verleihung des Förderpreises fand in der ostthüringischen Residenzstadt Altenburg statt. Eine Stadt, die auf der Kulturlandkarte immer wieder vergessen wird. Die Auswahl des KulturRiesen und des Übergabeortes passierten jedoch unabhängig voneinander. Umso schöner, dass es sich am Ende so fügte und die Landesarbeitsgemeinschaft damit einen Verein auszeichnete, der sich in einer Zeit, in der vor allem im ländlichen Raum immer mehr Kulturorte schließen müssen oder in ihrer Existenz gefährdet sind, neue Potenziale eröffnet – für eine Bibliothek, junges Theater und soziokulturelle Projekte.

So war es nur passend, dass der Verein auch Kooperationspartner für den KulturRiesen-Tag in Altenburg war und Ort des Zusammenkommens und Austauschs diente. Am Nachmittag lud die LAG Soziokultur gemeinsam mit der Stadtentwicklungsinitiative Stadtforum Altenburg zum „KulturLEERgang“, eine Wanderung durch größtenteils leerstehende Gebäude und somit potenzielle Kulturorte Altenburgs. So entdeckte man gemeinsam ehemalige Schulen, versteckte Kapellen und Palais – alle mit einer jahrhundertlangen Geschichte und viele davon vom Verfall bedroht. Die Nutzung und Nichtnutzung räumlicher Potenziale, auch für kulturelle Zwecke, wurde angeregt mit allen Beteiligten diskutiert.

Für die Preisverleihung wurde das noch leerstehende Palais Reichenbach, ein altes schlossartiges Wohngebäude in der Innenstadt Altenburgs, zum etwas anderen Veranstaltungsort. Zu DDR-Zeiten als Haus der jungen Pioniere genutzt und dann immer wieder leerstehend, will es nun ein engagierter Engländer als Kulturort für Altenburg entwickeln, die Preisverleihung bot hierfür einen gelungen Auftakt.

Mit einem bunten Kulturprogramm, moderiert von den Glockenhell-Engeln aus Apolda, eröffneten die Breakdancer der Maximum Torque-Crew aus Erfurt den Abend. Die stilechte mundartliche Begrüßung gab das Altenburger Folkloreensemble, die in originaler Bauernfesttracht die Vorzüge der Stadt besangen. Sinnbildlich zwischen die Stühle nahmen die Moderatoren die kulturpolitische Sprecherin der Partei DIE LINKE. im Thüringer Landtag, Dr. Birgit Klaubert, die über kulturpolitische Perspektiven sinnierte und Hoffnung auf eine reformierte Kulturförderung machte. Artisten des Weimarer Zirkus Tasifan leiteten mit tänzerisch-akrobatischem Schwung zur Preisverleihung über, wo die Vertreter des KulturRiesen 2013 aus dem Klanggerüst e.V. Erfurt die Laudatio für ihren Nachfolger hielten. Und die Freude war umso überraschender, als der Altenburger Förderverein Zukunftswerkstatt Paul-Gustavus-Haus als KulturRiese 2014 gekrönt wurde.

 

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