13. Januar 2015

Friedensaktivistin seit Jahrzehnten

Ute Hinkeldein bei einer Friedenskundgebung auf dem Erfurter Anger. Als Kind erlebte sie die Schrecken des 2. Weltkrieges. Heute gehört sie zu aktivsten Kämpfern für den Frieden in Thüringen. Am 31. Januar feiert sie ihren 70. Geburtstag. Foto: th

Sie gehörte vor 25 Jahren zu den ersten regen Korrespondenten der UNZ in Erfurt. Denn Unsere Neue Zeitung gab selbstverständlich auch den christlichen Menschen Raum, ihre Erfahrungen, Wünsche, Vorschläge und Kritiken den Lesern des linksorientierten Blattes mitzuteilen. Das blieb bis heute so.

Ich gewann zu ihr darüber hinaus Kontakt durch einen meiner Söhne, der sich damals dem Neuen Forum angeschlossen und seinen NVA-Militärdienst auf eigenen Wunsch quittiert hatte. Der NATO wollte er nicht dienen. Und hier fand er Gleichgesinnte.

Die Jubilarin gehört der gleichen Generation der „Kriegskinder“ an wie ich. Sie hat früh als kleines Kind die Zerstörungen, die Leiden, die Hungerjahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges miterleben müssen. Ihr Vater kam erst  drei Jahre nach ihrer Geburt aus französischer Kriegsgefangenschaft heim. Die tiefe Friedenssehnsucht vieler Menschen, in Ost wie West gipfelte in den Worten: „Nie wieder Krieg! Lieber trockenes Brot essen als jemals wieder eine Waffe in die Hand nehmen!“ Aus den erschütternden Erlebnissen erwuchsen Hoffnungen . . .

Vor 25 Jahren hatten wir irgendwie zueinandergefunden, aus Respekt voreinander und geschichtlicher Erfahrung – die Christin und der Atheist. Dem Guten zu dienen, wie es einmal der Dichter J. R. Becher beschwor. Der alttestamentarische Spruch „Schwerter zu Pflugscharen!“, in den 80er Jahren durch kirchliche Kreise populär gemacht, war ja nicht nur eine Losung ausschließlich für den Osten Deutschlands, sondern für Europa generell, für die Welt! Ute Hinkeldein hat die Losung als unbedingt nötig für alle verstanden, für West wie Ost – wenn die Bewahrung der Schöpfung gelingen soll.

Nach den Donnerstaggebeten und -Demos in Erfurt und besonders nach dem Beginn des von den USA eingefädelten Golf-Krieges 1991, galt es daran festzuhalten: Schwerter zu Pflugscharen! Ute gehörte zu den Mitbegründern des Erfurter „Aktionskreises gegen den Krieg“, der sich bald in „Aktionskreis für den Frieden e.V.“ umbenannte und  stark in die Öffentlichkeit wirkte: Gegen das Vergessen und Verdrängen von Grunderfahrungen aus dem 20. Jahrhundert.

Die Waffen nieder! Vorbild einer solch kämpferischen Haltung war ihr Bertha von Suttner (1843-1914), Friedensnobelpreisträgerin 1905. Über sie hat Ute Hinkeldein oft gesprochen und geschrieben, Anstöße gegeben für neue Initiativen, stets mit ihrem Mann Rainer und anderen Friedensbewegten. Hier muss hervorgehoben werden „Erfurt muss eine Stadt des Friedens sein!“, der Kampf um die Errichtung eines Denkmals für den Unbekannten Wehrmachtsdeserteur und ihr Einsatz für die Weiterführung der legendären Ostermarsch-Bewegung. Hinzu kam die Etablierung eines literarischen Lese-Cafe’s im Paulsturm in der Erfurter Paulstraße. Und dies alles trotz ihrer zunehmend körperlichen Behinderung. Trotz Rollstuhl nahm sie immer wieder an wichtigen Demos in Erfurt teil.

Bei all dem fand sie auch Zeit, kleine literarische Porträts zu verfassen, Gedichte zu schreiben, Märchen der Völker zu sammeln, eine frühe und nie nachlassende Leidenschaft, aus der sie Kraft schöpft. Die Wunder der biblischen Geschichten, die Wunder der Wandlungen im Märchen, zum Guten hin, die liegen nicht weit auseinander: Man muss daran glauben und Gutes tun! Für den Frieden motivieren. 

Für ihr unermüdliches Friedenswirken erhielt sie eine hohe Würdigung, die „Thüringer Rose“, die anknüpft an die Legende von der Heiligen Elisabeth.

Alles Gute, liebe Ute, Dir und Deiner Familie!