16. Dezember 2014

„Aktion des Herzens“ in Erfurt

Im „Restaurant der Herzen“ erhalten vom 6. Dezember bis zum 31. Januar Bedürftige für einen Euro ein warmes Mittagessen, weil es freiwillige Helfer aus verschiedensten Bevölkerungskreisen als Pflicht ansehen zu helfen. Foto: UP

Es ist ein nasskalter und windiger Vormittag im Dezember. In der historischen  Altstadt Erfurts; vor dem „Johannes-Lang-Haus“ stehen Menschen dicht gedrängt und warten auf Einlass. In der Zeit vom 6. Dezember bis zum 31. Januar gibt es für Bedürftige ein warmes Mittagessen. Dafür ist lediglich ein symbolischer Eigenbeitrag von einem Euro zu entrichten. Wer hier in der Schlange steht, trägt keine Marken-Klamotten. Es sind Leute, welche mit Harz-IV-Hungerbeträgen oder noch weniger auskommen müssen. Für zwei Wintermonate in den Mittagsstunden ein geheizter Raum und ein warmes Essen ist bereits verbesserte Lebensqualität. Die Ursachen der Armut sind im reichen Deutschland beschämend, denn sonst wäre die Einrichtung eines Restaurants des Herzens überflüssig.

Ähnlich empfand es der französische Komiker und Schauspieler Michel Coluche, welcher sich selbst als ehemaligen Armen bezeichnete, als er die karitative Organisation „Restos du Ceor“ ins Leben rief. Er registrierte sehr genau, wie in der Vorweihnachtszeit in den Pariser Prachtstraßen geschlemmert  wurde. Zwischen der Glitzerwelt und dem ersten „Restaurant des Herzens“ lagen nur 200 Meter Abstand.

Die Armenspeisung ist nur möglich durch Spenden. Dass es auch zu DDR-Zeiten weniger betuchte Menschen gab, war eine Realität. Ihnen wurde jedoch in fast allen Betrieben eine bezahlte Beschäftigung als Hilfskraft angeboten. Eine preiswerte Kantinenversorgung war damit gesichert. Auch in der Großküche gab es ein bezahlbares Mittagessen. 

Mit dem Einzug kapitalistischer Verhältnisse entwickelte sich allerdings auch bei uns sehr schnell die Notwendigkeit karitativer Hilfsmaßnahmen. Die evangelische Stadtmission der Stadt Erfurt bekannte sich bereits vor 23 Jahren zu dieser Aufgabe. Unermüdlich wurden Spender und Sponsoren für diesen selbstlosen Solidaritätsdienst geworben. Freiwillige Helfer aus verschiedensten Bevölkerungskreisen sehen es als bürgerliche Pflicht, bei dieser Aktion helfend einzugreifen. Nur so ist es möglich, täglich  bis zu 200 Essenportionen anzubieten. Zwei hauptamtliche Kräfte können sich auf viele ehrenamtliche Helfer verlassen, um diesen Kraftakt zu bewältigen. 

 Jeden Tag finden sich zur Mittagszeit auch ehrenamtliche Kellner ein. Freiwillige Helfer können sich jederzeit melden und sind herzlich willkommen. Viele Prominente haben sich  auch in der Vergangenheit gefunden, um ihre Dienste anzubieten. Frau Hohl-stein- Wessel und Frau Petra Hegt sind die Seelen des Unternehmens. Sie wissen durch ihre tägliche Arbeit sehr genau, dass es im Leben eines Menschen Ereignisse geben kann, welche kaum zu verkraften sind. Die Stadtmission ist Anlaufstelle für Hilfe jeder Art. Zu ihren Aufgabenbereich gehört auch das „Haus Zuflucht“, wo obdachlos gewordene Mitmenschen ein Bett und ein Dach über dem Kopf finden.

Wer in Vorweihnachtsstimmung zum Erfurter Weihnachtsmarkt pilgert, sollte auch wissen, dass nur wenige Meter abseits vom Trubel eine großartige Sozialarbeit geleistet wird.

Die jährliche Aktion ist nur durch Spenden möglich. Unter dem Kennwort „Aktion des Herzens“ kann sich jeder per Spende auf das Konto der Sparkasse Mittelthüringen (IBAN: DE 36820510000130129933) solidarisieren.                    

Uwe Pohlitz