19. Mai 2015

Soziokulturelle Szene baut Brücken

Brücken statt Mauern bauen – Strandgut im Juni 2014.

Überall in Deutschland wird in den Kommunen gekürzt und gestrichen. Nicht selten trifft es dabei zuerst kulturelle Einrichtungen. Doch kulturelle Angebote vor Ort müssen nicht immer Unsummen verschlingen. Es geht auch anders. 

In Erfurt hat sich, wie auch in anderen Orten Thüringens, sukzessive eine stetig wachsende, überaus bunte, soziokulturelle Szene etabliert, die in mehrfacher Hinsicht große Hoffnungen weckt. Ob Wächterhauser, Kunstrasen, Klanggerüst oder Saline 34 stetig, unaufhaltsam, mit viel Liebe und kreativ-schöpferischer Schaffenskraft bauen Menschen etwas auf. Und die guten Nachrichten gehen weiter. Verschiedene Akteure planen bereits, sich zu vernetzen. Am 12. Juli wird es zum zweiten Mal ein gemeinsames stadtweites Sozio-Kultur-Festival mit dem Titel „Kultur flaniert“ geben.

Eigentlich hätten es alle Aktiven dieser liebenswürdigen Szene verdient, mit Lob und Anerkennung überschüttet zu werden. Doch, ein Akteur setzt dem bunten Treiben die rubin-besetzte güldene Krone auf.

Erstmals im Juni 2014, im Rahmen der „feta de la musique“, öffnete das Strandgut unter der Trommsdorffbrücke seine Tore. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die seines Gleichen suchen dürfte. Ob Live-Musik, Disco auf einer über die Gera ragenden Tanzfläche, Kino, Dachgarten-Aktion, Spiel und Bildungs-Angebote für Jung und Alt oder einfach nur ein gemütliches Beisammensein – beim Strandgut scheint nichts unmöglich. Das einzige, was es dort nicht gibt sind Nazis. 

Dafür gib es eine atemberaubende Sicht auf den von Richard Breslau 1871 initiierten Flutgraben, bei dem die Blicke über das wasserfallartige Wehr in Richtung der zum Hauptbahnhof führenden Gleise wandern. Ein Gewirr aus Brücken und Oberleitungen, davor zwei Angler, die ihre Ruten auf der Suche nach einem deliziösem Fischmal in die Fluten der Gera halten. Es wirkt wie ein Wand-Gemälde, an dem sich die weltgrößten Maler aller Stilrichtungen beteiligt hätten, das versucht Stadt und Natur in Einklang zu bringen. Und doch ist es Realität!

Geschaffen wurde eine wahrhafte Oase, jenseits von monetärer Profitgier, Hass oder schizoidem Egomanentum. Und selbst der Amtsschimmel unterlässt bis jetzt das Wiehern. 

Wenn das Strandgut oder andere soziokulturelle Initiativen so weiter machen, dann können sie zum größten Erfurter Exportschlager neben Born-Senf und Braugold werden. Und was könnte Besseres passieren, dass die Stadt, aus der die Öfen für Ausschwitz kamen, mit etwas so positiven in Verbindung gebracht wird, das auch noch die Tradition der Garten- und Blumenstadt wieder belebt?

th

 

Mehr über das Sozioal- und Kulturfest am 30. und 31. Mai: 

https://www.facebook.com/events/1629671727246759/

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/6/artikel/soziokulturelle-szene-baut-bruecken/