30. Juni 2015

Kabarett-Ensemble will, dass die Leute nachdenken

Uschi Flossmann, Johanna Kronacher, Christine Jachmann und Ekkehard Resmer sind vier der sechs aktiven Spitzenpensionäre. Ihr aktuelles Programm heißt: „Der Trend geht zur Gehirnprothese“.

Was 1994 als Seniorentheater-Gruppe im Erfurter Haus Dacheröden begann, hat sich unter dem Namen Spitzenpensionäre zu einer der bekanntesten Amateur-Kabarett-Gruppen in ganz Thüringen entwickelt. „Am Anfang haben wir eigentlich nur ein bisschen rumgespielt“, erinnert sich Ekkehard Resmer. Nach zwei Jahren kam ein neuer, recht junger Trainer zur Theatergruppe. Doch der war wenig zuverlässig, frei nach dem Motto: Senioren haben immer Zeit und kommen dann, wenn ich will. Wohl auch auf Grund dieser Erfahrung  wurde das erste eigene Theater-Stück 1996 „der Eindringling“ getauft. Wie gehen wir mit Fremden um, war damals schon die Frage. Wie so häufig im Kabarett veralten solche Texte nicht. Gerade der Umgang mit Fremden ist nach wie vor ein heißes Thema.  

 

Vom Theater zum Kabarett

 

In der Anfangszeit waren die Auftritte der noch Theatergruppe nur 15 Minuten lang und das Publikum war oft traurig, dass es so schnell zu Ende ging. „Ihr müsst das weiter machen“, schallte es meist aus dem weiten Rund. Neue Texte und Lieder mussten her. Bissig-satirischer Gesang, begleitet von der Quetschkommode hat sich seit dieser Zeit sukzessive zu einem Markenzeichen der Spitzenpensionäre entwickelt.  Anders als die meisten Profi-Kabarettisten treten sie nicht Solo, sondern immer als Ensemble auf. Nicht nur das Repertoire änderte und erweiterte sich über die Jahre, auch die Inhalte wurden immer politischer. Kein Wunder, mit Johanna Kronacher ist eine der UNZ-Mitbegründerinnen dabei und der Textschreiber, Ekkehard Resmer, sieht sich als „ziemlich links angelegt“. Klar, dass im Umfeld der Linkspartei die Gruppe gerne als Gast für kulturvolle Beiträge geladen wird.

 

Ein bisschen politischer 

 

Nach dem Erfolg von „der Eindringling“, war sich die Gruppe einig: „Wir sollten ein bisschen politischer werden und die Gesellschaft auf’s Korn nehmen.“ So entstand 1997 das erste gezielte Kabarettprogramm „Auf, auf zum fröhlichen Klagen“.  Zu dieser Zeit entstand auch der Name  Spitzenpensionäre.  Nach einem Auftritt kam spontan Roland Böttcher, ebenfalls Amateur-Kabarettist, und wollte voller Begeisterung mitmachen. So entwickelte sich über die Jahre eine Erfolgsgeschichte mit unzähligen Auftritten nicht nur in Erfurt, sondern quer durch Thüringen – von Saalfeld bis Nordhausen.

 

Sicht der Senioren 

 

Gutes, politisches Kabarett, ob Ulf Annel in Erfurt oder Priol, Schramm und Pispers im TV, ist in Deutschland keine Mangelware. Eine Beschäftigung mit den Sorgen und Nöten („über sieben Krücken müsst ihr gehen“) von Senioren dagegen schon. „Es ist unser Grundprinzip, aus der Sicht der Senioren zu spielen und die Gesellschaft aus unserer Perspektive zu betrachten.“  Dazu kommt, dass alle „gelernte DDR-Bürger“ sind, was ebenfalls einen anderen Blickwinkel ermöglicht, der beim Publikum, das nicht nur aus Senioren besteht, bestens ankommt.

 

Geld spielt keine Rolle

 

Viele Kabarett-Freunde haben ein Problem: Eine Eintrittskarte bei den Profis kostet nicht selten über 20 Euro. So schließen Veranstalter wie das „DasDie“,  viele Menschen im Vorfeld aus. Bei den Spitzenpensionären ist dagegen der Eintritt frei. Die jederzeit für Neues offenen Aktiven spielen gerne für einen Unkostenbeitrag und sind sogar bereit, selbst darauf zu verzichten. Für jeden Mensch gilt: Mit Humor lassen sich unangenehme Themen besser bearbeiten. So lautet auch schon seit Jahren das Motto der Spitzenpensionäre: „Bleibt heiter, bleibt heiter, und lacht trotz alledem. Denn nur Wut schlägt auf den Magen. Das ist nicht angenehm. Bleibt heiter, bleibt heiter, wer lacht der überlebt“. Aber nur lachen allein, hilft auch nicht. Johanna Kronacher bringt es auf den Punkt: „Wir wollen, dass die Leute nachdenken!“ Ein Anspruch, den die Spitzenpensionäre mit der UNZ hundertprozentig gemeinsam haben.                

th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/6/artikel/-a692680ceb/