17. November 2015

Die Waffe des Humors

Ausgabe Nummer 1 der UN NU?

Wer als weltoffener, linker, liberaler oder sonst irgendwie progressiver Mensch in Erfurt lebt, hat es oft nicht leicht. Marschierende Neonazis, hetzende Rechtspopulisten und prügelnde Polizisten werden umrahmt von einer zu oft grauen, spießbürgerlichen Alltagssuppe in der Hauptstadt der Unkultur. Die angeblich besorgten Bürger verstehen in der Regel keinen Spaß. Ob Salafist oder Pegidist ist da eher unerheblich. Insofern gehört eine Menge Mut dazu, ein Satiremagazin zu gründen, nicht nur weil das lebensgefährlich sein kann, wie wir seit Charlie Hebdo schmerzlich wissen, sondern auch weil Print-Medien doch so völlig aus der Mode gekommen sind. Aber reich werden wollen die Macher der „UN NU?“ um Chefredakteurin Anne Martin sowieso nicht. Wenn nicht viele der Autoren und Zeichner „einen Scheiß auf Honorare“ geben würden, gäbe es diesen Farbtupfer in der Medienlandschaft wohl nicht.  Mit sieben Euro ist der Preis der ers-ten 44 Seiten langen Ausgabe aber, wie die Macher unverblümt auf der Titelseite zugeben, „umverschämt“. Durchaus vielschichtig sind dafür die sehr unterschiedlichen Texte, Bilder und Zeichnungen, die die großen Themen der Zeiten genauso durch den Kakao ziehen, wie spezielle regionale Begebenheiten.

Wenn es um gute Satire in Thüringen geht, darf natürlich Ulf Annel nicht fehlen. Im Heft ist er mit einem Gedicht vertreten. Als Hausmeister ließ er es sich nicht nehmen, die Gäste der Releaseparty am 11.11. im Speicher mit einem fröhlichen „Seid bereit“ zu begrüßen. „Immer bereit“, schallte es lautstark zurück. Ds stimmt die UNZ mit ein, denn in schwierigen Zeiten, in denen Hass und Menschenfeindlichkeit überhand zu nehmen drohen, ist die Waffe des Humors ein probates Mittel um rechten Tendenzen etwas Positives entgegen zu setzen. Un nu? Weitermachen!

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Lästern auf intellektuellem Niveau und dabei Autoren eine kreative Plattform geben – das will der feste Erfurter Redaktionsstamm, bestehend aus Künstlern, Historikern und Schriftstellern, mit dem neuen Satiremagazin realisieren. Schulterzuckend und die allgemeine Ratlosigkeit im Land aufgreifend, fragt das Blatt im Titel: „UN NU?“Einen Blick auf kulturelle, politische, soziale oder wirtschaftliche   Misstände werfen und mit humoristischer Weitsicht über aktuelle gesellschaftliche Unzulänglichkeiten herziehen. Das w ollen die Macher, der Un nu?. Sie soll regelmäßig als Vierteljahrschrift erscheinen. Erhältlich ist sie vorerst nur in ausgewählten Orten.

 

www.unnu-satire.com