20. Oktober 2015

Die hohe Kunst des Poetry Slams: Erlaubt ist, was dem Publikum gefällt

Live-Paintig: Beim „High Slammer X“ übermalte der Erfurt Künstlers Peer Galus Schlagzeilen zur Flüchtlingskrise mit dem Refugee-Welcome-Logo. Foto: th

Wer sonst bei der so genannten Hochkultur von Goethe und Schiller in den Theatern  des Freistaates zu Hause ist, wird sich wundern, was die junge Genration als Poetry (Poesie) versteht. 


Beim zehnten „High-Slammer“ dem Poery Slam der Erfurter Herbstlese ist praktisch alles erlaubt. Hauptsache die Texte sind von den „Slammern“ selbst geschrieben. Die Creme de la Creme der deutschen Poetry-Slam-Szene war am 16. Oktober in den ausverkauften Stadtgarten gekommen.  So vielschichtig wie die Kunstform – eingeleitet vom Beatboxing-Weltmeister – waren auch die Inhalte: Ein Spanier aus Hamburg, der sich über das deutsche Spießertum amüsiert, eine Berlinerin, die den Fast-Food-Wahnsinn auf’s Korn nimmt oder Beobachtungen in Beziehungen, entscheidend ist, was dem Publikum gefällt.  Zumal die Zuschauer  per Applaus-und-Stampf-Abstimmung determinieren, wer in Ko-Duellen eine Runde weiter kommt.
 So siegte am Ende der Lokalmatador gegen die bundesdeutsche Slamelite: Skog Ogvann aus Sömmerda. Dass er dabei die Sprache der meisten der Zuschauer sprach, dürfte  mitgeholfen haben. Aber auch inhaltlich waren Sätze wie: „Wenn man auf ein Kraftwerk fällt und es wird deswegen abgestellt, ist man dann ein Umweltheld?“ nicht nur ein bloßes unterhaltsames Wortspektakel, sondern auch Impuls für die kleinen, grauen Zellen.
Beim High Slammer nicht fehlen darf das „Live Painting“ des Erfurter Künstlers Peer Galus. Manch einer hatte sich schon gefragt, was eine Staffelei mit Schlagzeilen aus dem Propaganda-Organ mit den vier Buchstaben bedeuten sollte. Galus überpinselte es in der Pause mit dem Refugees-Welcome-Bild, das bei einer Versteigerung so gleich den Besitzer wechselte.