20. Oktober 2015

„Hexe Angerkel“ gegen „Prinz Syriza“

Satire darf alles: Im Erfurter Kabarett „die Arche“ kennen Ulf Annel, Andreas Flug, Andrei Vesa und Yulia Martynova keine Tabus.

Ulf Annel hat schon Kabarett gemacht als die Uhren zwischen Werra und Saale noch anders tickten.  Über Flüchtlinge hat man damals auch schon geredet, die hatten allerdings einen deutschen-demokratischen Pass und in Ungarn wurden Grenzzäune ab- und nicht aufgebaut. So ändern sich die Zeiten. Doch auf das Kabarett, wo bissig und schonungslos die zugespitzte Wahrheit gesagt wird, ist immer noch Verlass. 
Das neue Programm „drunter und trüber“ des Erfurter Kabaretts „die Arche“, das am 17. Oktober im Theater Waidspeicher Premiere hatte,  kann durchaus mit den ganz Großen des Genres mithalten. 
Ob Asyl, USA, Russ-land, Griechenland, Rassisten in FDJ-Hemden oder das Beste, was nach der „Konterrevolution 89“ aus dem Westen kam  – Bodo Ramelow – alles wird genüsslich zwei Stunden lang durch den Kakao gezogen. Und wie es sich für’s Kabarett gehört, gibt es keine Tabus, denn Satire darf schließlich alles. Bei einem Lied von „den zehn Negerlein“, die versuchen, nach Europa zu flüchten, darf eine fiktive Debatte über „political correctness“ nicht fehlen. Das böse N-Wort wird jetzt bei Pipi Langstrumpf gestrichen. Ist das nicht Zensur? „Das Problem ist doch nicht, dass man sie Neger nennt, sondern, was man mit ihnen macht“, wirft die Pianisten Yulia Martynova  ein. Und das Ende vom Lied, ist die Rückkehr des letzten Überlebenden. Der wird dann auf Grund des in Deutschland Erlebten zum „Salat-Fisten“. Aber wie soll man dem besorgten Bürger  erklären,  was  „political correctness“ ist, wenn der noch nicht mal weiß, dass Syrien nicht in Afrika, sondern in Asien liegt. Da helfen auch keine Rufe nach „Volks-Fahrrädern“ im „Großkalifat Trommsdorfstraße“. 
Nicht nur Humor, sondern auch ein bisschen politische Allgemeinbildung braucht es schon, um sich von Ulf Annel, Andreas Flug und dem Voice-of-Germany Finalisten, Andrei Vesa mit Kabarett das Leben verschönern zu lassen. 
Seit Charlie Hebdo weiß man ja, wie gefährlich die Waffe des Humors für die Protagonisten sein kann. Und Annel weiß, dass hierzulande jeder sein Kind Ernst Deutsch nennen darf, aber nicht Humor Müller.  
Beim Thema Flüchtlinge gehen viele Deutsche zum Lachen schon längst nicht mal mehr in den Keller. Annel und Co. zeigen wie lächerlich der Fremdenhass eigentlich ist. Als Synonym für die Flüchtlinge werden die Bäume im Steiger herangezogen. Sie hätten uns „Harz 4“ gebracht, stehen nur faul rum, werden bei Stürmen gewalttätig und liefern mit ihrem Holz auch noch die Grundlage der „Lügenpresse“. Leider auch so mancher alter Genosse, der es eigentlich besser wissen müsste, mutiert da zum Rassisten im Blauhemd, der sich nicht mal zu den Weltfestspielen vorstellen konnte das „so einer in seinem Bette liegt“. Gut, dass nach der „Konterrevolution von 1989“ wenigstens etwas Gutes aus dem Westen kam und jetzt in der Staatskanzlei sitzt. Das wäre allerdings zu verhindern gewesen, wenn man bei NVA damals gewusst hätte, dass die West-Gewehre nur Attrappen sind.    
Das hätte Europa  auch die böse Hexe „Angerkel“ und ihren „zweiräderigen Drachen Räuble“ erspart, die es auf Europas demokratische Hoffnung, „Prinz Syriza“, abgesehen haben. Der schwarzhaarige Jüngling hätte es fast geschafft, auch die Deutschen zur Revolution zu treiben. Doch leider wollten die Aufständigen ihre Barrikaden bei Ikea kaufen und dann fehlte der Imbusschlüssel ... Schade! 
Wer Lust auf das ganze Programm hat, das neben der hohen Politik den Alltag auf’s Korn nimmt, kann sich unter www.kabarett-diearche.de über den Spielplan informieren.                      

 

Thomas Holzmann

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/5/artikel/hexe-angerkel-gegen-prinz-syriza/