8. März 2016

„16-Tage-16-Bundesländer-Tour“ machte Station in Erfurt

Seit den Ereignissen von Köln ist das Thema Gewalt gegen Frauen plötzlich in aller Munde. Fast immer wird dabei ignoriert, dass diese Gewalt oft auch in den Diskotheken, auf Dorffesten oder gar in den heimischen vier Wänden statt findet.

20.000 Frauen mit fast ebenso vielen Kindern flüchten deshalb in Deutschland jährlich in ein Frauenhaus. Sie flüchten vor der Misshandlung durch ihre Ehemänner, Lebenspartner oder Väter. Frauen werden erniedrigt, beschimpft, isoliert, bedroht und massiv in ihrem Selbstwertgefühl verletzt. Die körperlichen Übergriffe reichen von Schubsen und Ohrfeigen über Schlagen und Treten bis hin zu sexualisierter Gewalt, schweren Miss-handlungen mit Gegenständen, Würgen, Angriffen mit Waffen und sogar Mord.

 

Der Zugang zu Schutz und Unterstützung in einem Frauenhaus gleicht stattdessen aber einem Hürdenlauf und ist für viele Frauen versperrt. Zum einen fehlen fast überall Frauenhausplätze, vor allem in den Großstädten und Ballungsgebieten. Zum anderen ist die Finanzierung von Frauenhäusern seit 40 Jahren ohne gesetzliche Grundlage. Sie ist überall unterschiedlich, abhängig vom politischen Willen und extrem unsicher. Durch die in den meisten Bundesländern bestehende Praxis der so genannten Tagessatzfinanzierung wird zudem vielen Gruppen von Frauen (z.B. Migrantinnen mit prekärem Aufenthalt, Flüchtlingsfrauen, Studentinnen, Auszubildende, Frauen ohne Sozialleistungsanspruch) der Zugang zum Frauenhaus unmöglich gemacht.

Die „16-Tage-16-Bundesländer-Tour“ soll nun den Druck auf jedes einzelne Bundesland erhöhen.  Am 4. März machte der auffällig gestaltete Reisebus in Erfurt Station Neben vielen Aktivistinnen waren auch die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Katrin Christ-Eisenwinder und die LINKE Landtagsabgeordnete Karola Stange vor Ort. Stange unterstützt wie viele engagierte Frauen schon seit langem die Forderungen der Tour: „Alle von Gewalt betroffenen Frauen und ihre Kinder müssen unbürokratisch und kostenlos Schutz und qualifizierte Unterstützung in einem Frauenhaus erhalten können – unabhängig von ihrem Einkommen, ihrem Wohnort, ihrem Aufenthaltsstatus oder einer möglichen Behinderung bzw. Beeinträchtigung. Und alle Frauenhäuser in Deutschland müssen einzelfallunabhängig, bedarfsgerecht und verlässlich, d.h. auf gesetzlicher Grundlage, finanziert werden“, betonte die LINKE Politikerin. 

 

Mehr zum Thema Frauenhäuser: www.frauenhaus-und-beratung.de

Fotos: th