15. Dezember 2015

Oase mitten im Kaufrausch

Neben Erfurter Vereinen und Organisationen beteiligten sich auch Unternehmen wie der seit Jahren erfolgreiche arbeitende Gutshof Hauteroda am nachhaltigen Adventsmarkt. Foto: up

Von Uwe Pohlitz

 

Das war der erste von Nachhaltigkeit geprägte Adventsmarkt im Zentrum der weihnachtlichen  Einkaufstätigkeit. Das Gelände um die Ruine der Erfurter Barfüßerkirche, etwas abgeschirmt vom Trubel  der City, wurde zum Fluchtpunkt für viele Menschen, welche der Hektik für einige Zeit entfliehen wollten. Auf dem Platz dudelten keine Weihnachtsschnulzen.

Der Rapper „Doppel U“ interpretierte nachdenkliche Texte und brachte seine Musik auch diesem       Sound fernstehenden Leuten nah. Mitten im Gelände fand ich bekannte und in der UNZ bereits vorgestellte Gesichter von der Markusgemeinschaft Hauteroda wieder. Sie boten Holzspielzeug aus eigener Werkstatt sowie nachhaltig hergestellte Nahrungsmittel an. Faire Erzeugnisse aus dem Weltladen, Kunst und Handwerk aus Afrika und Südamerika, Naturkosterzeuger sowie viele andere beteiligten sich am alternativen Marktgeschehen. Kreative Beteiligungen der Besucher an einigen Ständen wurden gern angenommen. Gesprächsrunden zum Thema Nachhaltigkeit fanden statt, wer es wollte, konnte ökumenische Andachten zum Advent besuchen.

Wir hatten Gelegenheit, ein Gespräch mit Prof. Thumfahrt zu erleben. Er fasste auch unsere Erkenntnisse in seinen Ausführungen zusammen und brachte viele Dinge auf den Punkt. Der Druck zur Konsumierung ist gewaltig. Über Medien wird dieser Druck mit Macht in die Köpfe getragen. Wir sollten uns öfter fragen: „Brauche ich das?“ Es ist auch schwierig, die Idee der Nachhaltigkeit in das Denken der Menschen zu tragen. Das wird erschwert durch politische Entwicklungen. Niedrige Löhne behindern viele Menschen, welche eigentlich nachhaltig leben wollen. Sie können nur verzichten, aber sich kaum nachhaltig erzeugte Dinge kaufen. Menschliche Arbeitskraft und Ressourcen erfahren immer weniger Achtung. Es werden immer mehr Produkte mit schnellem Verfallsdatum und zum frühen Wegwerfen produziert. Die Textilindustrie liefert dabei schlimmste Ergebnisse.

Die Industrie allgemein versucht den Weg eines Produktes von der Herstellung bis zum Mülleimer ständig zu verkürzen.
Das Aufbrauchen von Lebensmitteln oder das längere Tragen von Kleidung wird durch geschickte Manipulation der Vertreiber allgemein als uncool betrachtet. Gewaltige Schäden an Umwelt und an der Gesundheit werden billigend in Kauf genommen. Um dieses Nachdenken in die Köpfe der Menschen zu tragen, engagieren sich schon viele – auch bei der Organisation solcher Märkte. Es sind leider immer noch zu wenige. Eine wirkliche Trendwende ist unabwendbar, sonst werden die Folgen verheerend sein.

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/4/artikel/oase-mitten-im-kaufrausch/