5. April 2016

„Pegida-Stampf mit Hirn und Björnsenf“

Im Kabarett „die Arche“ werden „frische Früchtlinge“ zubereitet. Dazu muss nur viel deutsche Leitkultur verfüttert werden und schon wächst das Hitlerbärtchen. Fotos: Albert Bogenspreger, Fotografie & Design GBR Erfurt

Rechtsruck, Hass, Krieg und Terror. Die Zeiten sind ernst. Rumheulen und Defätismus bieten aber keine Antworten für gesellschaftlich drängende Fragen. Kreativ-konstruktive Lösungen lassen sich dagegen viel leichter finden, wenn der grau-braune Alltag regelmäßig durch eine gesunde Priese Witz und Farbe gewürzt wird.  
Dafür ist ein Besuch im Erfurt Waidspeicher, wo das Kabarett „Die Arche“ beheimatet ist, eine auszeichnete Wahl. Auch ohne das Erfurter Urgestein Ulf Annel bietet das neue Programm „Wir schaffen das“ mit Julia Maronde, Andreas Pflug und Dominique Wand tiefsinnigen Humor über weltpolitische Themen, ohne dabei Auseinandersetzungen in der Heimatregion zu vergessen. Es ist Kabarett im ursprünglichen Sinne, weil es immer wieder durch gecoverte Live-Musikstücke untermalt wird. 
Natürlich hat gutes Kabarett nicht nur die Aufgabe zu unterhalten, sondern aufzuklären und zum Nachdenken anzuregen. Dabei darf den Gästen das Lachen auch mal im Halse stecken bleiben. So etwa bei der Parodie auf den Fernsehkoch Tim Mälzer, der „frische Früchtlinge“ zubereitete. Der „Früchtling“ muss zunächst kräftig mit „deutscher Leitkultur“ gefüttert werden und schnurstracks steht er in Bazi-Lederhose und Hitlerbärtchen da. Was fehlt noch zum deutsch sein? Eine Flasche Bier an der Hand – fertig ist der „frische Früchtling“. Beim nächsten mal wird „Pegida-Stampf mit Hirn und Björnsenf serviert“. Wohl bekommt´s!    
Plötzlich scheint das Programm unterbrochen zu werden. Andreas Pflug, als Investor mit Cowboy-Hut und Arroganz überhalb der Kinnlade, besichtigte mit einer extrem aufgebrezelten Maklerin den Waidspeicher. „Luxuswohnungen mit Domblick, Swimmingpool  und Tiefgarage“, will der Immobilienhai bauen. Wer die Entwicklung in Erfurt beobachtet weiß, dass diese überspitzte Darstellung keineswegs weit weg von der Realität ist. Der Stadtgarten? Die Engelsburg? „Da bauen wir Luxuswohnungen mit Domblick, Swimming Pool und Tiefgarage hin“, frohlockte der Investor . 
Und wir wärs, wenn er auch noch Betreiber des neuen Stadions wird? „Jaja, aber nur wenn vorher dieser Zahnpastaverein verschwindet“. 

Wer jetzt Interesse hat, sich das Programm selber anzuschauen kann sich im Internet unter: www.kabarett-diearche.de über den Spielplan informieren. Zum Spielpaln gehören auch eine Reihe weiterer Prorgamme. Tickets können unter 0361 – 5982924 bestellt werden.                    

th