26. Juli 2016

Deutschlands bestes Festival am Alperstedter See

Fotos: Anja Zimmermann

Sommerzeit ist Festivalzeit. Und wie in jedem Jahr erwachen manche Orte in Thüringen, die sonst durch provinzielle Beschaulichkeit und quälende Langeweile glänzen, zu ganz neuem Leben. Die Thüringer Festivallandschaft hat sich über die Jahre verändert, die Vielfältigkeit ist aber erhalten geblieben. Schon früher reichte die Bandbreite vom kleinen Hippiefestival bei Bittstädt bis zum kommerziellen Highfield am Stausee Hohenfelden. Das ist zwar 2009 nach Leipzig gezogen, mit Rock am Berg oder dem legendären TFF in Rudolstadt gibt es aber echte Highlights. Besonders hervorzuheben ist das „revolutionäre“ rebellische Festival im Truckenthal oder das Auerworld bei Jena, wo die Nachhaltigkeit ganz groß geschrieben wird.    
Diese und sicher auch so manch anderes Thüringer Festival hätte eine ausführliche Reportage verdient. Eines sticht ganz besonders heraus. Es ist nicht nur die freundliche Atmosphäre und die malerische Idylle am Alperstedter See vor den Toren der Landeshaupstadt, sondern auch die Tatsache, dass bei den Organisatoren des Stoned from the Underground (12. bis 14. Juli) weniger der Profit als das gemeinsame Schaffen von etwas Großartigem ganz oben steht. Wer mit „Stoner Rock“ nichts anfangen kann, kennt vielleicht die legendäre Band Black Sabbath. Mit Titeln wie Paranoid oder War Pigs (Kriegsgschweine) waren sie nicht nur eine der ersten Bands mit steinharten Gitarrensound, der bis heute für so viele „Stoner“ Vorbild ist, sie zeichnet sich auch durch sozialkritische Texte aus. Kein Wunder, dass  viel junge Menschen mit Sabbath-T-Shirt auf dem Festivalgelände zu sehen, waren obwohl Ozzy Ossbourne und Co. ihre Großväter sein könnten. 
Vor der Bühne tanzen hunderte Menschen, während Dutzende auf einem kleinen Hügel mit Blick auf die Bühne einfach nur chillen. Trotz repressiver Polizeikontrollen, liegt ein verführerisch süßlicher Duft in der Luft. Dafür gibt es aber  weder Alkoholleichen noch besoffen Raufbolde. 

Auf dem Chill-Hügel springt plötzlich eine Frau auf und ruft: „Ach, ist das nicht alles toll hier?!“ Du bist wohl das erste mal da?“, fragt einer. Die Frau: „Nein, ich war schon dabei als das Stoned noch am Nordstrand war.“ Alle nicken und müssen lachen, ehe sie sich wieder der Musik zu wenden. Nachdem sich eine Band mit vermummten Gitarristen und martialischen Heavy-Metal Sound von der Bühne verabschiedet hat, dringen progressive Klänge mit Orgelsound durch die sommerliche Luft. Besser kann die Vielfältigkeit von guter alter handgemachter Rock-Musik kaum noch präsentiert werden. Für das Festival lässt sich das Gleiche sagen. Die aus Bad Frankenhausen stammenden Macher werden Mühe haben, sich noch zu steigern. Die Leser der Musikzeitschrift Vision haben nicht umsonst das Stoned im letzten Jahr zum besten Festival Deutschlands gekürt: vor Highfield, Hurrican oder Rock am Ring.          

th