18. Oktober 2016

Kraft, Mut und den Kopf voller Ideen

Die Künstlerin Ulrike Drasdo brachte sich trotz schwerer Krankheit in die Betreuung geflohener Frauen ein und erhielt von Ministerpräsident Bodo Ramelow den Thüringer Verdienstorden. Fotos: Uwe Pohlitz

Von Uwe Pohlitz

 

Wer diese Frau kennenlernen durfte, erlebte bewegte Tage. Den Kopf immer voller Ideen, eine ansteckende Kraft und immer Mut, etwas zu wagen. Als wir uns vor etwa 15 Jahren wieder begegneten, spürte ich, welche Ausstrahlungskraft, menschliche Wärme und ehrliche Freundlichkeit von dieser Frau ausgingen. Ihre gewebten Bilder, vom Bauhaus inspiriert, entstanden in Ulrikes Kopf und wurden materielle Realität. Sie hängen in aller Welt und verbreiten Wohlbehagen. Ihr Sinn für Farbkombinationen ist ungewöhnlich überzeugend. In unseren gemeinsamen Ausstellungen war ich immer der Lernende.
Bei den Reisen nach Nepal wurde ihr schnell bewusst, dass Kunst allein nicht ausreicht, Veränderungen in der Welt zu erreichen. Die Armut und das Elend im landschaftlich einmalig schönen Nepal ließen ihr keine Ruhe. So wurde die Idee geboren, im reichen Deutschland Geld für eine Armenapotheke im Himalaja einzusammeln.


Dafür bietet Ulrike Drasdo einzigartige Lichtbildervorträge über Land und Leute Nepals an.
Ihre bewegenden Berichte gehen unter die Haut und lassen keinen Besucher kalt. Der persönliche Einsatz für Straßenmädchen in Katmandu, denen sie vor Ort die Technik des Webens vermittelte, ist gelebte Solidarität. Die Mädchen sind nunmehr in der Lage, etwas Geld für den Lebens-unterhalt zu verdienen. In den vergangenen Jahren konnte Ulrike Drasdo 40.000 Euro für das Nepal-Projekt zusammentragen. Das ist für Nepal eine gewaltige Summe und hilft, schlimmste Not zu bewältigen.


Als im letzten Jahr die Flüchtlingszahlen auch in unserem Land zunahmen, brachte sich Ulrike, trotz schwerer Krankheit, mit ihren Optimismus in die Betreuung geflohener Frauen ein. Wöchentlich kommen einige nach Hohenfelden und erhalten selbstverständlich kostenlosen Webunterricht und erfahren dabei auch vieles von unserer Lebensweise.
Auch unser Ministerpräsident zählt nun zu den Besuchern des Ateliers in Hohenfelden. Er erlebte vor Ort die ungewöhnliche Persönlichkeit dieser Frau.


Am Tag der Auszeichnung von Ulrike Drasdo mit dem Thüringer Staatspreis sollte Bodo Ramelow eigentlich bei der Kanzlerin in Berlin erscheinen. Die Ehrung dieser großartigen Persönlichkeit in der Thüringer Staatskanzlei war ihm wichtiger. Das wollte er keinem Vertreter überlassen. Der Ministerpräsident fuhr verspätet nach Berlin. Für Ulrike wurde es einer der glücklichsten Tage.