20. September 2016

Aufbruchsstimmung in der Biobranche

Ultraniedliche Alpakas lenkten auf den Messe Grüne Tage vom Wesentlichen ab. Foto: Uwe Pohlitz

Erstmals gab es einen großen Stand zum Thema Gemeinschaftsgärten und Urban Gardening unterstützt vom Umweltministerium. Fotos: th

Alle zwei Jahre finden die Grünen Tage auf der Erfurter Messe statt. Viele der über 30.000 Besucher dürften die Unterschiede zum vergangen Mal vielleicht gar nicht festgestellt haben, was bei über 300 Ausstellern auch  nicht so einfach ist.  Zwischen den überall aus Thüringen herbei gekarrten Zuchtbullen und ultraniedlichen Alpakas, umrahmt von diversen regionalen Köstlichkeiten, fällt es nicht immer leicht sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.  In der Halle, in der Kühe lauthals um die Wette blöken, wurde erstmals, mit Unterstützung des Thüringer Umweltministeriums, ein großer Urban-Gardening-Stand präsentiert. Nicht nur in Erfurt und Jena entstehen immer mehr dieser Projekte, bei denen ehrenamtliche Engagierte sich für eine lebenswerte Stadt einsetzen und gemeinsam offene Räume – ohne Konsumzwang – für alle schaffen. Derzeit sind  zahlreiche neue Projekte, die auch beim Thema Integration einen wertvollen Beitrag leisten, in der Planung. Beeindrucken konnte auch die Thüringer Biobrache. Fast 100 Bewerbungen waren für den Bio-Preis Thüringen eingegangen, der auf der Messe von Landwirtschaftsministerin Birgit Keller verliehen wurde. Einer der Preisträger, die „Biowaren Meisters“ mit dem Produkt des sogenannten „Zweinutzungshuhn“, töten anders als sonst üblich die männlichen Kücken nicht sofort, sondern ziehen sie zur Fleischproduktion heran. Überhaupt herrscht in der Thüringer Biobranche Aufbruchstimmung. Das liegt auch mit an  Rot-Rot-Grün, die es ernst meinen mit der Ökologisierung der Landwirtschaft. Moderne Projekte wie die „Obstkiste Immerstedt“ wachsen und bieten derzeit in der Region Erfurt-Weimar-Jena regionale Bioprodukte an, die bequem online bestellt werden können. Das Marktproblem aber bleibt: Landwirte bauen oft das an, was den größten Gewinn verspricht. Im Zweifel ist eine Rapsmonokultur, die im SUV verbrannt wird, einträchtiger als Wintergemüse. Viele konventionelle Landwirte ächzen unter Marktmechanismen. Beispiel Milch. Durch den Preiskampf der Discounter wird Milch so billig verkauft, dass die Erzeuger davon nicht leben können. Hier könnten die noch in den Kinderschuhen steckenden Initiativen der solidarischen und bäuerlichen Landwirtshaft positive Entwicklungen anstoßen. Doch dazu braucht es Menschen, die sich engagieren, wie es die Naturschutzorganisationen tun. So etwa die NAJU Jugendorganisation des NABU, die kaum hinterher kam mit dem Verbuddeln von Kartoffeln. Und wenn Erfurter Kindern mit dem neu erlernten Wissen nach Hause gehen, dass Kartoffeln in der Erde wachsen und nicht im Supermarkt, dann ist doch schon Einiges gewonnen.               th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/2/artikel/aufbruchsstimmung-in-der-biobranche/